Hoykenkamp - „Das schafft keiner.“ – Dieter Wöber ist sich da sicher: Eine einzige Person könne die Aufgaben eines ehrenamtlichen Kassenwartes in einem 840-Mitglieder-Sportverein heutzutage nicht mehr leisten. Mit dem 30. Juni ist der gelernte Industriekaufmann und studierte Betriebswirt vom Amt des Kassenwartes bei der Turnerschaft Hoykenkamp zurückgetreten. Allerdings: Mit Wöbers Unterstützung hat die Turnerschaft ein Modell aufgebaut, das einen „Umbruch“ für den Verein bedeute.
Rückblick. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 18. April 2013 war der damals 68-jährige Wöber mit großer Mehrheit in das Amt des Kassenwartes gewählt worden. „Das war für mich völliges Neuland“, erinnert er sich. In der ersten Zeit habe er „gerade gezogen“, Kurse besucht.
Doch schon Anfang 2014 sei die Erkenntnis gereift, dass das Amt für einen Ehrenamtlichen allein nicht zu wuppen sei. Es sei „durch gesetzgeberische Vorgaben“ mit Vorschriften überfrachtet. „Stellt man alle Arbeiten zusammen, so kommt man auf eine jährliche Leistung von etwa 1200 bis 1600 Stunden.“
Im Dezember 2014 habe er dem Verein seinen Rücktritt angekündigt. Zugleich begann der Aufbau einer Alternative: Wöber stellte eine detaillierte Liste zusammen, welche Kassenwart-Arbeiten zu erledigen seien und welchen Zeitaufwand dies erfordere. Parallel begannen Vorstandsmitglieder mit der Suche nach Mitgliedern, die Teile der Aufgabenliste übernehmen würden.
„Elf Mitstreiter“ habe man gefunden und eingearbeitet, alle hätten Zugriff zu ein- und demselben Server, aber nur einer habe Zugang zum Konto, berichtete Wöber. Durch die Unterstützung des Teams – „Finanzbeirat“ genannt – werde das Tätigkeitsfeld des Kassenwarts zumutbar.
Bis dato, so sagte Vereinsvorsitzender Burkhard Garmhausen, sei das Modell seit ein paar Wochen am Laufen, „es funktioniert tadellos“. Ob es auch auf Dauer tragfähig sei, vielleicht verändert werden müsse, könne er naturgemäß noch nicht sagen. Garmhausen betonte, dass der Verein laut Satzung „immer noch einen Kassenwart“ benötige.
