Oldenburg - Im Untergeschoss des Einkaufszentrums „Schlosshöfe“ steht ein Wald aus Stahlstützen. Im Licht von Bauscheinwerfern sind Lüftungs- und Sprinkleranlagen unter den Decken der leergeräumten Ladenabteile zu sehen, nackte Betonwände, offene Kabelkanäle. Mittendrin stehen Kathrin Landsmann (35) und Niklas Mittag (24). Die scheidende Center-Managerin und ihr Nachfolger strahlen. Für sie ist das hier keine staubige Baustelle, sondern das Versprechen auf einen Neustart des Einkaufszentrums.
Hier wird im Sommer 2015 der Elektronikmarkt Saturn einziehen. Viele Läden mussten weichen, die Lichtschächte in der Decke werden geschlossen – das Ende eines Experiments, das nicht wirklich funktionierte: Ein Einkaufszentrum von ECE ohne „Ankermieter“ gibt es in ganz Deutschland nicht noch einmal. „Ein Magnet wie H&M oder C&A waren für unser Zentrum ausgeschlossen, weil wir eine Ergänzung zur Innenstadt sein wollten, keine Konkurrenz“, sagte Landsmann im Frühjahr 2012 der NWZ. Als Frequenzbringer fungieren seit der Eröffnung der REWE-Markt und der Drogeriemarkt dm. Beide werden bleiben, auch wenn Saturn kommt.
So ganz freiwillig war die Selbstbeschränkung nicht: Der Rat hatte ECE als Betreiber Auflagen gemacht. Die Verkaufsfläche wurde beschränkt, selbst in den Mietermix wurde eingegriffen. So wurde der Anteil von Dienstleistern hochgeschraubt, was man noch heute an den vielen Friseuren im Center bemerkt. Hintergrund war damals, dass eine Mehrheit aus CDU, Grünen und Linken das Center nicht wollte, es aber nicht verhindern konnte. Die Industrie- und Handelskammer hatte damals die Ansiedlung von Ikea nur dann zulassen wollen, wenn die Stadt das ECE genehmigt. Da man Ikea wollte, gab der Rat grünes Licht für die Schlosshöfe – aber mit Auflagen.
Kathrin Landsmann hat all das als Centermanagerin von Anfang an mitgemacht. Nun zieht es sie nach Aachen, wo sie ein neues ECE-Center aufbaut. Ein weniger umstrittenes. Trotz der Schwierigkeiten ist sie stolz auf das in Oldenburg Erreichte: „Das hier werden keine Schlosshöfe 2.0, nur weil Saturn kommt“, sagt sie. Zum Start habe man vielen neuen Handelskonzepten eine Chance geben können, weil sie in Oldenburg noch nicht vertreten waren. „70 Prozent der Läden“, sagt Landsmann. Viele seien gut angekommen – so etwa Gina Tricot und 1982 –, andere wiederum hätten nicht funktioniert. So seien einige Ladenbetreiber ohne jeden Einwand aus den zehnjährigen Mietverträgen ausgestiegen, als die Schlosshöfe Platz für Saturn brauchten. Was bleibt ist unter anderem, dass sich das Center mit vielen Eingängen zur Innenstadt öffnet – auch das gebe es so in anderen Centern nicht, sagt Landsmann.
Für Niklas Mittag ist all das Geschichte, aber wohlbekannt. Der 24-Jährige hat bei ECE ein duales Studium und Trainee-Zeiten in Frankfurt, Berlin, Dortmund und Hamburg absolviert. Dort ist er seit eineinhalb Jahren Center-Manager des Alstertal-Einkaufszentrums im Stadtteil Poppenbüttel – mit 32 000 Quadratmetern so groß wie Schlosshöfe und Galerie Kaufhof zusammen. Zurzeit dreht er mit Kathrin Landsmann in Oldenburg seine Runden: „Wir haben mit Innenstadt-Kaufleuten und CMO zusammen für den Standort gekämpft, und dabei wird es bleiben“, sagt die scheidende Managerin. „Deswegen muss Niklas Mittag jetzt alle Mitstreiter kennenlernen.“
Landsmann wird noch bis zum verkaufsoffenen Sonntag am 5. Oktober an Bord bleiben, dann fängt sie nach einem Urlaub in Aachen an. Die Schlosshöfe werde sie aber nicht vergessen: „Die sind ja mein Baby. Sie zu verlassen, ist ein harter Schnitt.“
