Sande - 15 Nester hat die Firma Baumpflege „Haschen“ aus Schortens am Donnerstag in Pappeln und Eschen hinter dem Bahnübergang Richtung Cäciliengroden auf dem Gelände der Deutschen Bahn in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Sande in die Baumkronen gesetzt. Die Nester sind mit einem Drahtkorb verstärkt worden und werden mit schwarzen, UV-resistenten Kabelbindern in Baumgabelungen befestigt.
Mit der Maßnahme hoffen die Gemeinde Sande und die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Friesland auf eine Umsiedlung der am Bahnhof Sande heimischen Saatkrähen. „Die Vögel stehen unter strengem Artenschutz“, erklärt Ingo Logemann von der unteren Naturschutzbehörde.
Das Problem: Bisher nisteten die Tiere in Pappeln und Eichen auf einem Areal links vom Bahnhofsgebäude, das sich in Privatbesitz befindet. Diese Bäume müssen nun aber weichen, denn dort soll der neue große Pendlerparkplatz mit Haltebuchten für Busse für die Bahnkunden entstehen (die berichtete). „Die Bäume dürfen aber nicht einfach gefällt werden“, sagt Logemann. Damit eine so genannte Befreiung erteilt werden kann, muss es für die Vögel eine Alternative für das Nisten geben. „Wir hoffen nun, dass die Saatkrähen unsere versetzten Nester annehmen und sich dort niederlassen“, sagt Logemann. Er könne sich auch wegen der unmittelbaren Nähe zur früheren Niststätte vorstellen, dass die Vögel die Nester annehmen. Allerdings, waren ähnliche Experimente im Landkreis Friesland in der Vergangenheit stets gescheitert. „Die Tiere haben sich zwar neue Niststätten gesucht, allerdings nicht dort, wo wir die Nester installiert hatten“, sagt Logemann. Das hat auch Landschaftswart Rolf Oetjen, der vom Landkreis Friesland bestellt und für die Gemeinde Sande zuständig ist, festgestellt. Oetjen zählt seit gut zehn Jahren in jedem Frühjahr die Saatkrähen-Brutpaare in der Gemeinde. Ungefähr 500 seien das insgesamt, etwa 60 hätten bisher am Bahnhof Sande Quartier bezogen. „Hier fühlen sie sich wohl sicher und finden Nahrung“, meint Logemann.
Nun soll das Areal für den künftigen Pendlerparkplatz zwischen Bahnübergang, Bahnhofstraße und Bahnhofgebäude zügig gerodet werden, damit dort auf 8500 Quadratmetern 90 neue Parkplätze und fünf Haltebuchten für Linienverkehr, den Tidebus und den Schienenersatzverkehr entstehen können.
Die Saatkrähen beginnen nämlich mit ihrem Nestbau Ende Februar, Anfang März. Sollten die Bäume bis dahin nicht abgeholzt und wieder von den Krähen in Beschlag genommen werden, dann wäre ein Fällen nicht mehr ohne weiteres möglich. „Die Tiere dürfen zwar bis zur ersten Eiablage akustisch vergrämt werden, danach sind aber ihre Nester und damit auch die Bäume, in denen sie brüten, unantastbar“, betont Logemann.
