Kirchhatten - Führt die Neufassung des Niedersächsischen Wassergesetzes (NWG) zum Verlust erheblicher landwirtschaftlich genutzter Flächen? Auf fünf Meter breiten Streifen entlang von Gewässern soll auf Düngung und Pflanzenschutz verzichtet werden. Dieses Thema brachte fast hundert Zuhörer in den Schützenhof in Kirchhatten.
Absage an 5-Meter-Regel
Eingeladen hatte der FDP-Bezirksverband Oldenburg. Zur Podiumsdiskussion hatte er den Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen Niedersachsen Sachsen-Anhalt, Godehard Hennies, den Kuratoriumsvorsitzenden der Naturschutzstiftung des Landkreises Oldenburg, Michael Feiner, sowie den landwirtschaftspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Hermann Grupe, eingeladen.
Grupe, selbst Landwirt, sicherte zu, dass die Landwirtschaft beim Schutz des Wassers mitzieht: „Wir Landwirte leben doch selber im ländlichen Raum, unsere Kinder auch, wir haben ein eigenes Interesse an sauberer Natur und an sauberem Wasser.“ Einem pauschalen Abstand von fünf Metern zu allen Gräben erteilte er jedoch eine klare Absage. „Das bringt uns nicht ans Ziel. Es führt aber zu einer kalten Enteignung niedersächsischer Landwirte und dem Verlust von bis zu 80 Tausend Hektar landwirtschaftlicher Fläche, “ so Gruppe.
Hennies erweiterte das Thema und meinte, dass es nicht nur um Oberflächengewässer ginge, sondern insbesondere um die Sauberkeit des Grundwassers. Dabei gehe es um die Reinigungsleistung der Böden. Diese seien landesweit sehr unterschiedlich. Von einem pauschalen Abstand von fünf Metern zu allen Gewässern und Gräben halte er daher nichts.
Für freiwillige Kooperation
Man müsse grundsätzlich in Jahrzehnten denken, weit über eine Wahlperiode in der Politik hinaus. 1991 habe es die Nitratrichtlinie gegeben, 2000 die Wasserrahmenrichtlinie. Geschehen sei in der Folge zu wenig. Er nahm dabei die Landwirtschaft in die Pflicht und appellierte gleichzeitig an die Politik, mehr für den Vertragsnaturschutz zu tun. Dabei würden Landwirte für Bewirtschaftungsauflagen angemessen entschädigt.
Das sah auch der Kuratoriumsvorsitzende der Naturschutzstiftung Michael Feiner so. „Freiwillige Kooperationsmaßnahmen wie z.B. Blühstreifenprogramme funktionieren auch bei uns im Landkreis hervorragend.“
Der FDP-Bezirksvorsitzende und Ganderkeseer Landtagsabgeordnete, Christian Dürr, unterstrich diese Forderung: „Die pauschalen fünf Meter, die der Umweltminister einführen will, werden uns bei der Gewässerqualität kein Stück voran bringen. Wir brauchen mehr Vertragsnaturschutz und auch eine Verbringung der Nährstoffe in Form von Gülle in andere Teile Niedersachsen, in denen akuter Mangel herrscht und teurer Kunstdünger eingesetzt werden muss.“
Forschung angemahnt
Damit der Transport wirtschaftlich funktioniere müsse mehr in die Forschung in diesem Bereich investiert werden, argumentiert der Landtagsabgeordnete. Die derzeitige Landesregierung tue dafür viel zu wenig.
