NEUSCHARREL/GEHLENBERG - Es war Mitte Februar 2008, als Neuscharrel mobil machte. Damals wandten sich die Vertreter des Handels- und Gewerbevereins (HGV) und des Heimatvereins mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit. Der Grund: Mehrere Gehlenberger Landwirte planten zwischen Gehlenberg und Neuscharrel den Bau von Geflügelmastställen für 400 000 bis 600 000 Tiere. Jetzt sind diese Vorhaben vom Tisch, denn die Stadt Friesoythe hat für die betroffenen Gebiete Außenbereichsbebauungspläne aufgestellt und inzwischen Veränderungssperrren erlassen, die den Bau weiterer Stallanlagen ausschließen.

Neuscharrel protestiert

Vor gut eineinhalb Jahren hatten Balduin Flatken vom HGV, Werner Fuhler vom Heimatverein und Ortsvorsteher Hans-Gerd Eilers in der NWZ Position gegen weitere Stallbauten bezogen. Die Entwicklung Neuscharrels werde bei einer Umsetzung der Planungen massiv gestört und die Lebensqualität der 950 Einwohner eingeschränkt, meinten Flatken und seine Mitstreiter damals. Sie forderten die Stadt Friesoythe und den Landkreis Cloppenburg auf, mit allen möglichen rechtlichen Schritten gegen die Bauvorhaben vorzugehen.

Die Bedenken fielen im Friesoyther Rathaus auf fruchtbaren Boden. Die hohe Tierdichte im Westen Friesoythe lasse wegen der von den Stallanlagen ausgehenden Immissionen kaum noch eine Ausweisung von Flächen für die Wohnbebauung und für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben zu. Inzwischen sind für die betroffene Region drei Außenbereichsbebauungspläne aufgestellt und mit Veränderungssperren versehen worden. Dazu hatte die Stadt – wie berichtet – vom TÜV-Nord ein Immissionskataster für die Orte Gehlenberg, Neuvrees und Neuscharrel als Abwägungsgrundlage für die Aufstellung der Bebauungspläne erstellen lassen.

Fachliche Zweifel an der in seiner jüngsten Sitzung vom Stadtrat beschlossenen Regelung äußert der Ortslandvolkverband Gehlenberg. Vorsitzender Bernhard Kramer gegenüber der NWZ : „In der Wirkung kommt das einem Berufsverbot für die betroffenen Berufskollegen gleich.“ Mehrere Bauanträge könnten nun nicht realisiert werden.


Bauern haben Zweifel

Das Vorgehen Friesoythes sei für die Landwirte nicht hinnehmbar. Sie benötigten weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten, um ihre Höfe langfristig wirtschaftlich betreiben zu können, die nun weder hofnah noch in den Außenbereichen bestünden. Außerdem habe Friesoythe vom TÜV-Nord ein Gutachten erstellen lassen, das auf der Basis falscher Einschätzungen und Daten zu völlig irrelevanten Ergebnissen komme. So gingen die Gutachter davon aus, dass die Emissionen täglich gleich groß seien. Dabei sei völlig unberücksichtigt geblieben, dass Tierhaltungsanlagen sehr unterschiedlich betrieben würden und Leerstände nicht einbezogen werden.

Bernhard Kramer: „Das Gutachten unterstellt fälschlicherweise eine dauerhafte und maximale Belegung von Ställen. Wechselnd hohe und niedrigere Emissionen sind aber die Regel.“ Eine Lösung der Probleme liege im Einsatz wirkungsvoller Filteranlagen, meint Kramer.