NEUSCHARREL - Das gerade heiß diskutierte Thema „Massentierhaltung im Bereich von Neuscharrel“ hat auch die Generalversammlung des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Neuscharrel beherrscht. Der Vorsitzende Balduin Flatken freute sich nicht nur aus diesem Grund über ein volles Haus.

Vor der Diskussion über die immer neuen Hähnchenmastställe referierte Wilfried Wulfers von der Spar- und Darlehnskasse ausführlich über die ab 1. Januar 2009 in Kraft tretende Abgeltungssteuer für alle zukünftigen Kapitaleinkünfte. Er machte auch auf die Nachteile aufmerksam und wies auf günstige Anlagemöglichkeiten hin.

Danach rückten alle übrigen Tagesordnungspunkte rückten in den Hintergrund. Auch über die Durchführung einer Jubiläumsveranstaltung zum 20-jährigen Bestehens des HGV am 12. April war man sich schnell einig.

Alles wartete gespannt auf den Bericht von Ortsvorsteher und Ratsherr Hans-Gerd Eilers, der auf Einladung des HGV über den Stand der Stallbauplanungen berichten sollte. Dabei schlugen die Wogen der Empörung hoch, Wut und Zorn der Mitglieder über rücksichtsloses Gewinnstreben einiger weniger zu Lasten eines ganzen Ortsteiles machten sich Luft.

Zunächst zählte der Ortsvorsteher die bisherigen Maßnahmen auf, die bis jetzt seitens der Stadtverwaltung und des Rates gegen die Stallbauten ergriffen wurden. Mit Dankbarkeit und Erleichterung wurde die Mitteilung aufgenommen, dass der Verwaltungsausschuss des Rates seine Zustimmung zu den Stallbauten verweigert hatte. Weiter erwähnte der Ortsvorsteher ein Gutachten, das für Neuscharrel besagt: Die Grenze der Emmissionsbelastung für neue und geplante Baugebiete sei erreicht. Wörtlich sagte Eilers: „Nur noch ein Hähnchen mehr kann dafür sorgen, dass die ganze Arbeit von mehr als zwei Jahren in Bezug auf Bauplanung, Gewerbeansiedlung und Dorferneuerung umsonst war.“ Er appellierte in diesem Zusammenhang an die Verantwortlichen des Landkreises, alle rechtlichen Möglichkeiten gegen die Stallbauten auszuschöpfen und zum Wohle aller Bürger zu entscheiden.


„Wenn diese Ställe alle gebaut werden, dann bekommen wir in Neuscharrel mecklenburgisch-vorpommersche Verhältnisse: Die Jungen ziehen alle weg, nur die Alten bleiben noch hier, und in wenigen Jahren ist Neuscharrel tot und nur noch ein ,Geisterort’,“ so die düstere Voraussage eines aufgebrachten Versammlungsteilnehmers. Auch viele Mütter sorgen sich um die Gesundheit ihrer Kinder und äußerten große Zukunftsängste.

Weiter wies der Ortsvorsteher darauf hin, dass es in einer anderen niedersächsischen Kommune gelungen sei, bei Stallbauten einen Mindestabstand von 800 Metern zu Gewerbegebieten durchzusetzen und fragte: „Wenn es da geht, warum sollte das nicht auch für unsere Region durchsetzbar sein?“ Bei vielen anderen Diskussionsbeiträgen kochte die Volksseele regelrecht. Es wurde dabei auch angedacht, in Cloppenburg, in Hannover oder sogar in Berlin mit Demonstrationen auf die hier drohenden Gefahren aufmerksam zu machen

„Wir dürfen jetzt nicht aufgeben und müssen weiter am Ball bleiben. Wir sind kampfbereit und nicht gewillt, alles widerspruchslos hinzunehmen. Wir werden auf die Barrikaden gehen, wenn die Stallbauten gebaut werden dürfen“, hieß es zum Abschluss unisono.