Nordenham - Unter dem Namen Vita-Forum war das Pflegezentrum an der Sophie-Scholl-Straße in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Jetzt hat die Einrichtung, die auf die Betreuung von Demenzpatienten spezialisiert ist, einen Neuanfang gestartet. Und zwar unter einem anderen Namen: Seit dem 1. Juli trägt das Pflegezentrum in Nachbarschaft der Wesermarsch-Klinik den Titel Haus Tongern. Diese Umbenennung steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Betreiberwechsel. Neuer Heimleiter ist der 52-jährige Bodo Barwig. Er stammt aus Golzwarden und war zuletzt bei der Azurit-Seniorenzentrengruppe in Oldenburg tätig.
Investoren aus Bremen
Anstelle der zahlungsunfähigen Vita-Forum GmbH, deren Geschäftsführer Daniel Tecklenburg das 2012 vollendete Neubauprojekt mit auf den Weg gebracht hatte, betreibt jetzt die Haus Tongern GmbH die Einrichtung. Bei dieser Gesellschaft handelt es sich um ein neugegründetes Tochterunternehmen der Immobilien- und Finanzdienstleitungsfirma Hesse & Partner aus Bremen, die als Bauträgerin das Vita-Forum errichtet hatte. Die Bremer Investoren sind Eigentümer des Gebäudes, das bislang an die Vita-Forum GmbH verpachtet war. Als die Vita-Forum GmbH mit den Mietzahlungen nicht mehr nachkam, stellten die Eigentümer im Mai einen Insolvenzantrag gegen die Betreibergesellschaft (die NWZ berichtete).
Der zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannte Rechtsanwalt Tim Beyer aus Bremen hatte zunächst die Lage sondiert und letztlich der Überleitung der Pflegeeinrichtung in die Haus Tongern GmbH zugestimmt. Die neue Betreibergesellschaft übernimmt das Pflegezentrum komplett mit Personal und Mobiliar. Damit ist die Einrichtung aus dem Insolvenzverfahren herausgelöst und kann frei von finanziellen Altlasten den Neubeginn einleiten.
„Wir wollten einen klaren Schnitt machen“, begründet Jens Hesse die mit dem Betreiberwechsel erfolgte Umbenennung. Er ist der Geschäftsführer der Haus Tongern GmbH.
Die Übertragung an eine Tochterfirma der Eigentümergesellschaft ist jedoch nur als Zwischenlösung gedacht. Mittelfristig streben die Eigentümer nach wie vor einen Verkauf oder eine Verpachtung der Immobilie an. Dafür stehet die Chancen jetzt natürlich besser als zu den Zeiten, als die Einrichtung unter dem Namen Vita-Forum in finanzielle Not geraten war und vorübergehend die Gehälter nicht mehr auszahlen konnte.
Auch die etwa 60 Beschäftigten sind froh, dass die Ungewissheit und die Sorgen um die Arbeitsplätze ein Ende haben. „Die Erleichterung ist groß“, sagt Mitarbeiter Daniel El Khatib.
Bisheriges Konzept bleibt
Der neue Heimleiter Bodo Barwig will an dem bisherigen Konzept der Pflegeeinrichtung weitestgehend festhalten, es aber in einigen Bereichen ergänzen und vertiefen. Unter anderem ist vorgesehen, neben der Betreuung von Demenzpatienten und älteren Menschen mit seelischen Erkrankungen weitere spezielle Angebote aufzunehmen. Angedacht sind unter anderem Betreuungsangebote für Menschen mit Krebserkrankungen.
Verstärken möchte Bodo Barwig die Vernetzung mit Kliniken, Ärzten und sozialen Organisationen. Zudem strebt er eine intensivere Kommunikation mit den Angehörigen an. Auch das Angebot an Bildungs-, Informations- und Kulturveranstaltungen will er ausbauen.
Das Haus Tongern kann 72 Patienten aufnehmen, die in sechs Wohngruppen untergebracht sind. Zurzeit sind etwa 50 Plätze belegt. Hinzu kommen in dem Gebäude zwölf Tagespflegeplätze, die von der Johanniter-Unfallhilfe angeboten werden.
Wie es mit dem Phiesewarder Seniorenheim Villa Lindenhof, das ebenso wie der Petershof in Rastede zum insolventen Unternehmensverbund von Daniel Tecklenburg gehört, weiter geht, ist noch nicht entschieden.
