NEUVREES/KARTZFEHN - Im Landkreis Cloppenburg ist von der gefürchteten Faulbrut nichts zu spüren. Die Bienenvölker in und um Friesoythe sind kerngesund.

Von Thomas Haselier

NEUVREES/KARTZFEHN - Gestochen worden ist er nach eigenen Angaben noch nicht allzu oft, aber ein bisschen vorsichtig ist Herbert Janssen mit seinen kleinen Lieblingen aber doch. Der 52-Jährige aus Neuvrees hat im Sommer rund 600 000 davon. Herbert Janssen ist Besitzer von derzeit 20 Bienenvölkern. Darüber hinaus ist er Vorsitzender des Imkervereins Friesoythe und bei der unteren Naturschutzbehörde zuständig auch für Hornissen, Hummeln und Wespen. Fast könnte man sagen, Herbert Janssen liebt alles, was summt.

Bis auf einen Bienenstock zu Hause, der die Bestäubung der Obstbäume gewährleisten soll, stehen die meisten seiner Bienenvölker an einem rund 22 Hektar großen Rapsschlag auf dem Moorgut Kartzfehn. Ein idealer Standort, meint Janssen, denn dort finden die Bienen vorzügliche Bedingungen vor. Honig ist sehr unterschiedlich, nicht nur vom Geschmack her. Rapshonig ist besonders cremig und „kandiert“ nach fünf Tagen, das heißt, er wird fest.

Problematisch ist die Situation für die Bienen in diesem Jahr dennoch. Weil die Natur drei bis vier Wochen zu früh ist und der Raps noch vor Löwenzahn und Obst blüht, kommen die Bienen kaum noch mit der Honigproduktion nach, denn die Völker sind noch im Aufbau. Darüber hinaus war es Mitte April mit Temperaturen von unter zehn Grad zu kalt und auch zu trocken. Bienen fliegen erst ab etwa 13 Grad. Und erst dann beginnt auch die Honigproduktion.

Die Bienen produzieren Honig in der Regel bis Ende Juli, erläutert Herbert Janssen. Dann beginnt die Sommerschleuderung. Danach werden die Bienen mit Zuckerwasser oder Sirup gefüttert. Nur so können sie den folgenden Winter überstehen.


Janssens Lieblingsarbeit ist die Königinnenzucht. Die so genannte Reinzuchtkönigin bezieht er von dem Bieneninstitut in Celle. Davon werden dann so viele Königinnen nachgezogen, wie man gebraucht. Das klingt komplizierter als es letztlich ist, weiß der erfahrene Imker. „Im Grunde ist es so, dass wir die Bienen hereinlegen“, erläutert Janssen. Der Imker verhindert, dass die Bienen sozusagen ungesteuert Königinnen produzieren. Die Königin ist größer als die normalen Bienen. Sie kann pro Tag mehr als 2500 Eier legen, mehr als ihr eigenes Körpergewicht. Sie wird stets umsorgt von den Arbeiterinnen. Ein bestimmtes Drüsensekret, das geheimnisvolle „Gelee Royale“, das die Arbeiterinnen produzieren und mit dem bestimmte Maden gefüttert werden, führt dazu, dass aus einer Made statt einer Arbeiterin eine Königin wird.

Leicht haben es die fleißigen Bienen nicht. Wespen und Hummeln versuchen oft, an ihren Honig zu kommen, Hornissen fressen sogar die Bienen. Ein gesundes Bienenvolk wehre den Angriff von Wespen und auch Hummeln aber erfolgreich ab, so Herbert Janssen. Hornissen können allenfalls einzelne Bienen gefährden, aber keinen gesunden Stamm. „Wenn eine Wespe oder Hummel es schafft, etwas aus dem Stock zu holen, statt tot herausgetragen zu werden, zeigt das Bienenvolk auch kein gesundes Abwehrverhalten. Es darf sich nicht so leicht ausräubern lassen.“

Bedroht werden die Bienenvölker aber noch durch weitaus heimtückischere Feinde. So ist die amerikanische Faulbrut, die ganze Völker vernichten kann, auch in Deutschland weit verbreitet. „In Amerika ist mehr als die Hälfte der Bienenvölker tot“, berichtet Janssen. Das sei in Deutschland aber nicht der Fall. Durch den milden Winter habe es außerdem kaum Verluste gegeben. Auch die amerikanische Faulbrut sei nirgendwo im Landkreis Cloppenburg festgestellt worden.

Trotz des, so Janssen, „wunderschönen Hobbys“ leiden ganz viele Imkervereine unter Nachwuchsproblemen. Zurzeit gibt es in Friesoythe und Umgebung 42 Imker im Verein, allerdings mit zurückgehenden Völkerzahlen, was mit dem Durchschnittsalter der Imker zu tun hat. Ältere Imker können einfach nicht so viele Völker versorgen. Imkerei sei ein wunderbares Hobby, bei dem man intensiv in der Natur ist, schwärmt Janssen. „Es ist unglaublich spannend, die Welt der Bienen verstehen zu lernen. Und die Forschung ist noch lange nicht am Ende“, so der Imker. Man produziere darüber hinaus ein gesundes Naturprodukt von hoher Qualität, das oft auch direkt vermarktet wird.