NEUVREES/VREES - Die Wisent-Herde im Eleonorenwald wächst weiter: Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach Auswilderung von vier Wisenten im Arenberger Wildpark Eleonorenwald ist nun Ende Mai ein zweites Wisentkälbchen geboren worden. Forstamtmann Johannes Dierkes stellte schon vor einigen Tagen fest, dass eine der drei Wisentkühe sich von der Herde abgesondert hatte. Nun fand er das neugeborene Kälbchen, das von der vierjährigen Wisentkuh „Tirila“ in einer Fichtendickung gesäugt wurde.

Forstamtmann Thomas Schomaker gelangen einige Fotos von dem Bullenkälb-chen, das den Namen „Arebor“ erhalten soll. So erweitert sich nach dem im Vorjahr geborenen Bullenkalb „Arenberg“ die kleine Herde. Eine dritte Kuh ist im vergangenen Herbst vermutlich ebenfalls „beschlagen“ worden, wie es in der Jägersprache heißt, so dass in Kürze mit einem dritten Kalb gerechnet wird.

Bei aller Freude über diesen Zuwachs sieht Forstdirektor Winfried Frölich, Geschäftsführer der Arenberg-Meppen GmbH, das Anwachsen der Herde mit gemischten Gefühlen. Nach zwei Jahren haben die bisher vier bzw. fünf Tiere sich nicht nur als Grasfresser zur Offenhal-tung der Freiflächen bewährt, sondern in erheblichem Umfang auch die Borke vieler Bäume abgeschält. Ein kleines Wäldchen mit den einzigen Mehlbeerbäumen im Eleonorenwald ist mittlerweile entrindet und abgestorben. Der weit über 100 Jahre alte Eichenwald „Langelt“ im Jagdgatter, als Flora-Fauna-Habitat besonders schutzwürdig angesehen, ist bisher zwar noch nicht in der Existenz gefährdet, wird aber auch nicht verschont.

Der fast siebenjährige Wisentbulle „Spenax“ wirft zudem gerne Hochsitze und Holzstapel um; diese Kraftmeierei sieht Winfried Frölich noch mit Humor. Größere Bedenken haben die Förster aber mit dem Gefährdungspotenzial für Menschen. Die Setzzeiten der Wisente von Mai bis Juli mit der anschließenden Säuge- und Aufzuchtphase soweit die Brunftzeit von August bis Oktober schließen ein Betreten des Gatterreviers allein für die Vegetationszeit völlig aus.

Das Verhalten der Wisente ist unberechenbar. Das Fluchtverhalten dieser Wildtiere ist völlig unterentwickelt. Die aus Zoos stammenden Tiere zeigen gegenüber Menschen nicht die geringste Scheu. Gelegentlich laufen die Wisente über längere Strecken sogar direkt neben den Forstfahrzeugen her. Förster Johannes Dierkes wurde sogar schon wiederholt von dem riesigen Bullen angegriffen.


Auch beim Umweltministerium, Vertragspartner der Arenberg-Meppen GmbH für dieses Auswilderungsprojekt, hat der Schutz der Bevölkerung oberste Priorität. Anlässlich kürzlicher Erwägungen zur zeitweisen Öffnung des Gatters sieht man auch dort unabhängig von den Brunft- und Setzzeiten die Wisente als potenziell lebensgefährlich für Besucherinnen und Besucher an.

So wird die Forstverwaltung das 1000 Hektar umfassende Gatterrevier auch weiterhin für den freien Zutritt gesperrt halten. Allein die Arenberger Wälder im Forstdienstbezirk Eleonorenwald und im direkt angrenzenden Waldgebiet Quäkenberg umfassen über 3000 Hektar, so-dass eine unzumutbare Einschränkung der Bevölkerung nicht eintritt.

Die Arenberg-Meppen GmbH führt zudem seit zwei Jahren regelmäßig Planwagenfahrten im Wildpark durch, bei der Gruppen von 20 Personen zu besonders attraktiven Plätzen des Gatterrevier gefahren werden. Der Försters gibt dazu fachkundige Erläuterungen der Wald- und Wildverhältnisse. Weit über 2500 Personen haben in dieser Zeit von diesem Zusatzangebot der Waldbesitzerin profitiert, schon über 50 Fahrten sind für 2008 angemeldet.