Hannover/Im Nordwesten - Der Aufstand gleicht einem Tsunami. Eine regelrechte Protestwelle schwappt am Mittwoch durch den ganzen Landtag. Die Abgeordneten funken parteienübergreifend SOS für die 17 Traditionsschiffe in Niedersachsen in Richtung Berlin. Dort liegen auf dem Schreibtisch des Bundesverkehrsministers massive Sicherheitsverschärfungen für die „schwimmenden Denkmäler“, wie der CDU-Parlamentarier Bernd-Carsten Hiebing formuliert.
Begleitend zu den Vorschriften für die Berufsschifffahrt sollen von 2017 an auch die Bestimmungen für Traditionsschiffe mit Blick auf die bauliche Beschaffenheit der Schiffe, Brandschutz und Ausrüstung sowie die Qualifikation der Crew neu geregelt werden. So sollen künftig etwa Holztreppen mit Stahl unterfüttert werden.
„Absurde Vorschläge“, wettert Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD/Sande). Mit Lies stemmen sich alle Fraktionen gegen das drohende Ungemach aus Berlin.
Hiebing spricht von einer „glatten Ohrfeige“ für die Betreiber, darunter viele Vereinsmitglieder, Ehrenamtliche und maritime Enthusiasten. „Traditionsschiffe werden mit viel Engagement betrieben und liebevoll gepflegt“, schlägt der CDU-Politiker eine Bresche für die Freunde der Seefahrts- Geschichte: „Dieses kulturelle Erbe belebt die Küsten und Häfen.“
Auch die FDP-Abgeordnete Hillgriet Eilers, Autorin des parteienübergreifenden Antrags, erweist sich bei diesem Thema alles andere als liberal. „Wir stehen zu dieser Geschichte. Die Schifffahrt hat erst den Reichtum nach Europa gebracht“, kämpft die Emderin Eilers für das Erbe.
Karin Logemann (SPD) aus Berne bringt die absurde Regelungswut auf die Palme. So müsste jedes Schiff einen dritten Anker haben. Dessen Gewicht würde aber manchen Kahn zum Kentern bringen. „Die Träger schaffen es nicht, die Umbauten zu finanzieren“, kritisiert sie und fordert alle im Parlament auf: „Werfen wir den Traditionsschiffen einen Rettungsring zu!“
Ähnlich aufgeladen ist die Stimmung auch in Hamburg und in Schleswig-Holstein. Abwarten, ob der Aufstand der Nordlichter den CSU-Verkehrsminister beeindruckt.
