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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Niedersachsens Angst vorm Chlorhühnchen

30.10.2014

Hannover /Oldenburg Ein seltsames, fast schon gruseliges Lebewesen geistert durch die Köpfe besorgter Verbraucher: das Chlorhühnchen. Dabei gilt das deutsche Schlachthuhn als keineswegs gesünder als das mit Chlor desinfizierte US-Hühnchen.

Das Tierchen ist zum Symbol im Streit um den Nutzen des geplanten Freihandelsabkommens TTIP der EU mit den USA geworden. Chance oder Bedrohung? Profit für die Konzerne, während die Verbraucher auf der Strecke bleiben? Darüber wird gestritten. Klar ist: Auf die Bauern – auch in Niedersachsen – kommen Veränderungen zu.

Das hat natürlich nicht nur mit dem Schreck- und Zerrbild des Chlorhühnchens zu tun. Zwar werden mehr als die Hälfte der deutschen Hähnchen in Niedersachsen gemästet, schwierig wird es aber in einem anderen Sektor der Fleischwirtschaft – vor allem beim Rindfleisch.

Denn die niedersächsischen Bullenmäster seien „nicht weltmarktfähig“, warnt Albert Hortmann-Scholten, Leiter des Fachbereichs Betriebswirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg). Preisdruck dürfte die Folge sein. „In den USA kann wesentlich kosteneffizienter Rindfleisch erzeugt werden als in den kleinen und mittleren Betrieben Niedersachsens.“ Die Amerikaner produzierten Rindfleisch gut und gerne um einen Euro pro Kilogramm günstiger. Gründe seien größere Betriebe, aber auch Futterkostenvorteile, weil in den USA Mais und Soja effizienter angebaut würden.

All das treibt den Strukturwandel an – „das heißt, kleinere Betriebe, die ihre Kosten nicht so im Griff haben, werden tendenziell stärker ausscheiden“, sagt Hortmann-Scholten. Vor allem im Fleischsektor hätten sich die USA und auch Kanada in den vergangenen Jahren exportorientiert aufgestellt: „Dort droht die Gefahr, dass die Amerikaner uns aus den Märkten verdrängen, wo wir bisher Fuß gefasst haben.“

Willi Kampmann, Experte für internationale Beziehungen beim Deutschen Bauernverband (DBV), betont dagegen, Sorgen wegen des Wettbewerbs müssten nicht sein. Die Amerikaner seien stark bei Massenprodukten wie Soja oder Mais. Auch Sorgen wegen des Verbraucherschutzes teile er nicht.

Zwar gebe es gerade auf dem Rindfleischmarkt Kostennachteile, allerdings sollten eine Reihe sensibler Produktlinien eingeführt werden, für die es keinen Freihandel geben werde. Dazu zählt auch: Rindfleisch. Kampmann mahnt mit Blick auf das Abkommen und seine geopolitische Bedeutung: „Da ist viel drin.“ Chancen erkennen Kampmann und Hortmann-Scholten bei Milchprodukten – der europäischen Produktvielfalt wegen. Der DBV-Mann beklagt, dass die Angst der Verbraucher geschürt werde. Eines ist aber klar: Kommt das Abkommen, verändert sich die Landwirtschaft. Trotzdem gibt es Chancen für heimische Bauern.

In anderen Branchen ist der Optimismus erheblich größer. Kein Wunder: Eine Freihandelszone zwischen USA und EU wäre mit 800 Millionen Verbrauchern die weltgrößte Wirtschaftszone. Strittige Fragen gibt es viele, Gegner auch – aber auch Hoffnung auf Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze.

Skeptisch ist die Gewerkschaft IG Metall: „Das derzeit zwischen der EU und den USA verhandelte Freihandelsabkommen birgt viele Risiken und wenig Chancen“, sagt Vorstand Hans-Jürgen Urban. Hoffnung auf mehr Wohlstand für alle zweifelt er an – und warnt davor, europäische Sozial- und Ökologiestandards zu unterlaufen.

Trotzdem setzen viele Firmen darauf, Zölle und bürokratische Hürden abzubauen und internationale Standards anzugleichen, wie eine Umfrage des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags (NIHK) ergab.

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