Ganderkesee - Auf ein mildes Frühjahr und einen regnerischen Mai folgten vor allem im Juli heiße Tage und mehrere Starkregenereignisse. Was bedeutet das für die Ernte im Gemeindegebiet?
„Ganz große Probleme hatten wir hier nicht“, sagt Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Ganderkeseer Ortslandvolks. Anders sehe es in Südniedersachsen aus, wo der Weizen regelrecht ertrunken und noch nicht abgeerntet sei. Wübbenhorst spricht, nachdem in der Region die meisten Feldfrüchte bereits eingefahren sind, von einem „nicht spektakulären, aber durchaus guten Jahr“.
Wübbenhorsts Prognose für die noch ausstehende Maisernte fällt ebenfalls positiv aus. Der Wechsel aus Sonne und Regen sei für die „Multifunktionsfrucht“ optimal, so der Landwirt aus Hohenböken. Allerdings seien beim Mais generell weniger Schwierigkeiten zu erwarten. „Wir haben hier einen relativ sicheren Ertrag“, verdeutlicht Wübbenhorst. So könne beim Mais flexibel entschieden werden, ob er gedroschen und getrocknet, zu Tierfutter oder für die Verpackungsindustrie verarbeitet wird oder der Biogasproduktion zugeführt wird.
Zufrieden mit Menge und Qualität der Ernte ist man auch bei der Raiffeisen-Warengenossenschaft Hunte-Weser. Das bei der Genossenschaft an der Westtangente angelieferte Getreide sei größtenteils trocken gewesen, sagt Zweigstellenleiter Enno Gramberg. „Was jetzt noch kommt, wird aber wohl nachträglich getrocknet werden müssen“, mutmaßt er. Roggen und Weizen seien zum momentanen Zeitpunkt teilweise noch nicht abgeerntet.
Größtenteils eingebracht sei indes der Raps. Hier seien in diesem Jahr vergleichsweise hohe Ölerträge erzielt worden, so Gramberg.
Der Getreidepreis liegt laut Gramberg in diesem Jahr leicht unter dem – ebenfalls schon niedrigen – Niveau des Vorjahres. Das sei für die Bauern in und um Ganderkesee allerdings unproblematisch, kommentiert Cord Wübbenhorst. „Wir alle verfüttern mehr Getreide als wir verkaufen.“
Keine gar so eindeutige Antwort auf die Frage nach der Qualität seiner diesjährigen Ernte vermag Kartoffelbauer Dietrich Moorschladt aus Hengsterholz zu geben. „Unterschiedlich“ sei die Ernte bislang ausgefallen. Bei Sorten, deren Knollen dichter an der Erdoberfläche wachsen, hat er durchaus Einbußen zu beklagen. Der Grund: zwei Starkregenereignisse.
„Wenn die Dämme weggeschwemmt werden und die Kartoffel vier Tage lang Licht abbekommt, wird sie grün“, erklärt Moorschladt. Aufgrund des dann steigenden Gehalts an giftigem Solanin sei die Kartoffel nicht mehr verzehrfähig, müsse aber trotzdem gerodet werden. „Das bezahlt uns niemand!“, so Moorschladt.
Als überdurchschnittlich hoch bezeichnet Moorschladt die Einbußen aber nicht. „Ausfall gibt es immer“, sagt der Kartoffelexperte.
