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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Gekürzter Haushalt: Niedriger Ölpreis gefährdet Energiereform in Mexiko

13.02.2015

Mexiko-Stadt Die Talfahrt des Ölpreises hätte Mexiko kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt treffen können. Vor wenigen Monaten erst hatte die Regierung in Mexiko-Stadt das staatliche Erdölmonopol gekippt, das bislang verhindert hatte, dass Privatunternehmen auf dem Markt mitmischen konnten. Mit dem zu erwartenden Geld als Folge der Energiereform sollten neue Projekte angestoßen werden. Jetzt wurde das Haushaltsbudget für das laufende Jahr um 8,4 Milliarden Dollar (gut 7,4 Milliarden Euro) gekürzt; betroffen sein dürfte vor allem der Energiesektor.

Die Kürzungen können nach Ansicht von Analysten weitreichende Folgen haben. So könnten sich womöglich weniger Energieunternehmen für Verträge mit dem staatlichen Konzern Pemex interessieren als erwartet; einige geplante Projekte könnten hinausgeschoben werden, Pemex selbst dürfte weniger Arbeitsplätze als bisher schaffen. „Wenn sich das Szenario, in dem wir uns derzeit befinden, im kommenden Jahr fortsetzt, wird das Auswirkungen haben, denn Pemex wird nicht die gleichen Erlöse erzielen, die es bisher erzielt hat“, sagt Jorge Pinon, Energieanalyst der Universität von Texas. „Das ist eine einfache Rechnung.“

Für Präsident Enrique Peña Nieto und seine Partei PRI ist dies ein weiterer Rückschlag, vor allem weil im Juni Zwischenwahlen angesetzt sind. Die Regierung sieht sich bereits Protesten und Vorwürfen ausgesetzt, nachdem im September 43 Studenten verschwunden waren, offenbar ermordet von der Drogenmafia, die dabei mit der lokalen Polizei verbunden war. Peña Nieto selbst und seine Familie werden kritisiert, weil sie Luxusimmobilien gekauft haben, die sich vorher in Staatsbesitz befanden. Die PRI müsse vor den Wahlen in Bezug auf die Wirtschaftslage etwas vorweisen können, sagt der Analyst Dwight Dyer. Die aktuelle Situation setze sie stark unter Druck.

Ende Januar hatte der Ölpreis mit 44 Dollar (39 Euro) für ein Barrel den niedrigsten Preis seit April 2009 erzielt. Er hat sich seitdem wieder etwas erholt, aber Experten wollen nicht ausschließen, dass er noch weiter sinken könnte. In Mexiko stehen als Folge des niedrigen Ölpreises zahlreiche Projekte auf dem Spiel; nach Schätzung Pinons müsste das Barrel um die 77 Dollar kosten, damit sich viele der geplanten Vorhaben überhaupt rentierten. Die Ausbeutung von Schiefer-Vorkommen zum Beispiel könnte gefährdet sein. Tiefseebohrungen, wie sie im Golf von Mexiko geplant sind, benötigen teilweise eine Vorbereitung von drei bis fünf Jahren, bevor überhaupt mit der Ölförderung begonnen werden kann. Investoren dürften sich dafür nur interessieren, wenn sie sicher sein können, dass sie später damit Geld verdienen werden.

Nach offiziellen Angaben sind derzeit 16 Unternehmen, darunter Großkonzerne wie Exxon Mobile, Chevron, Shell und BP, im Rennen um 14 Flachwasser-Förderungsprojekte. Mittel- bis langfristig, so glaubt Dyer, werde die mexikanische Wirtschaft von der Energiereform profitieren. Kurzfristig aber sei die Situation angesichts des niedrigen Ölpreises schwierig. „Ich will nicht sagen, dass dies die Energiereform zum Scheitern bringt, aber die Erwartungen in Bezug auf Angebote und Investitionen müssen gesenkt werden.“

Die mexikanische Regierung hat bereits reagiert und mehrere Großprojekte für 2015 gestrichen. Die Kürzungen um 8,4 Milliarden Dollar machen etwa drei Prozent des gesamten Staatshaushalts aus. Betroffen ist unter anderem der Hochgeschwindigkeitszug, der Mexiko-Stadt mit dem Industriestandort Querétaro verbinden soll.

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Nun ist Mexiko dank eines seit Jahren verfolgten Programms zur Absicherung gegen Ölpreisschwankungen in einer weit besseren Lage als andere erdölexportierende Länder wie Venezuela, Kolumbien oder Ecuador. Außerdem dürfte der niedrige Ölpreis zu mehr Wachstum in den USA führen, dem Nachbarland und wichtigsten Handelspartner. Davon dürfte auch Mexiko profitieren. Dennoch ist Michael Levi, Experte für Energie und Umwelt bei der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations, der Ansicht, das Land müsse sich weniger abhängig machen vom Ölexport, seine Einnahmen auf eine breitere Basis stellen und mehr Steuern erheben.

„Das Ölpreis-Absicherungsprogramm lässt wahrscheinlich derzeit viele Länder neidisch auf Mexiko blicken, aber es ist keine langfristige Antwort auf Preisschwankungen“, sagt er. „Wenn die deutlich niedrigeren Preise für Öl ein oder zwei Jahre andauern, werden sie (die Mexikaner) sich in einer viel schwierigeren Situation als jetzt befinden.“

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