Nikolausdorf - 1958. Weltmeisterschaft in Schweden. Gebannt verfolgen die Nikolausdorfer in der Gastwirtschaft Nageler gleich neben der Kirche die Partie Deutschland gegen Argentinien. Deutschland gewinnt 3:1, die Tore schießen Uwe Seeler und Helmut Rahn. „Die Gastwirtschaft glich einem Tollhaus“, erinnert sich Peter Möllmann. Das ist Geschichte, ebenso wie das Gebäude, in dem die Gastwirtschaft untergebracht war.

Mit Wehmut haben viele Nikolausdorfer den Abriss der ehemaligen Bäckerei Bernhard Nageler mit Kolonial- und Backwaren, Gastwirtschaft „Dorftreffpunkt“ direkt neben der Kirche verfolgt. „Damit stirbt gleichzeitig ein Stück Dorfgeschichte“, so Möllmann. Das Gebäude musste abgebrochen werden, weil eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich gewesen wäre. Vertreter des Kirchenausschusses, des Fördervereins und des Bürgervereins waren Ende 2017 zu dem Ergebnis gekommen, dass in diesen Räumen aufgrund der schlechten Bausubstanz keine Unterbringung einer sozialen und dörflichen Einrichtung möglich ist.

Die Geschichte

Das Gebäude hat eine lange Tradition: Bäckermeister Bernhard Nageler aus Holtrup baute 1948 auf dem Grundstück, das seine Frau vom elterlichen Hof (Bergkamp-König) geerbt hatte, eine Bäckerei und ein Kolonialwarengeschäft; 1956 kam eine Gaststätte hinzu – und der erste Fernseher. Das erste Fußball-Länderspiel, das in Nikolausdorf über den Bildschirm flackerte: Deutschland gegen die Sowjetunion in Hannover. Deutschland verlor 1:2. „Wir fußballbegeisterten Schüler durften im Clubzimmer auf dem Fußboden sitzen und mitfiebern“, so der jetzige Grundstücks-Miteigentümer Möllmann. Heinz König, Gerd König, Bernd Wilgen und Hans-Peter Korte waren auch dabei – „ein Riesenerlebnis für uns neu- und zehnjährige Nikolausdorfer Fußballfans.“

Liesel Engelmann, geb. König, sagt: „Ich liebte besonders die Fernsehnachmittage mit ,Fury’ und ,Mutter ist die Allerbeste’. Im Bäckereibetrieb, wo ich meinem Onkel bei der Arbeit zuschauen durfte, gab es die leckersten Süßigkeiten und Beigaben.“

Der Betrieb wurde am 1. Februar 1965 an den Bäcker Egon Niemeyer verpachtet. Dann pachtete 1970 Ilse Wendeln, die heute noch als rüstige Rentnerin am Ginsterweg wohnt, mit Familie die Gaststätte, wobei Bäckerei und Kolonialwaren aufgegeben wurden. Ab 1973 hieß der Pächter Bernhard Höne mit Frau Irmgard, geb. Neumeister. Nach deren Weggang 1981 gab es verschiedene Pächter, die nur kurzzeitig den Betrieb führten.

Die Kirchengemeinde Nikolausdorf kaufte im Dezember 1985 das Gesamtgrundstück, wobei es als öffentliche Bücherei, Versammlungsstätte für zahlreiche Vereine in Nikolausdorf, als Landjugendheim und nicht zuletzt von 2014 bis 2015 dem Kindergarten als Ausweichgebäude diente, während ein neuer gebaut wurde. Die Kinder hätten sich sehr wohl gefühlt, berichtet Kindergartenleiterin Anke Thobe. Nur bei einer Übernachtung mit den Kindern habe sie kaum ein Auge zugetan. Grund dafür: das Läuten der nahen Kirchenglocken zu den bekannten Uhrzeiten.

Gemeinde und Kirchengemeinde brauchten für die Bauzeit keine Containerlösung, die nach Auskunft der zuständigen Stellen sonst die Haushalte mit etwa 70 000 Euro belastet hätte. Weiter diente das Gebäude als Übergangsquartier für die örtlichen Vereine und Gruppen während des Pfarrheimneubaus zwischen 2015 und 2017.

Die Pläne

Der Bürgerverein denkt jetzt darüber nach, ein neues Gebäude für eine soziale Einrichtung zu errichten. Für den Mietwohnungsbau sollte es nicht verwendet werden, meint der Verein. Ein Ortsvertreter: „Eigentlich müsste hier im Ortskern direkt neben der Kirche wieder ein Treffpunkt entstehen.“

Die jetzigen Eigentümer sind bereit, sich konstruktiv mit einzubringen. So könne man sich selbstverständlich auch gemeinsame Lösungen mit öffentlichen und privaten Räumen unter einem Dach vorstellen.