Nikolausdorf/Wardenburg - Cremig muss er sein, wie Butter. Er darf nicht aus dem Glas fließen, Bläschen in der Masse sind auch tabu. Morgens und abends jeweils 15 Minuten rühren, sonst wird’s nichts. Aber dann, wenn der Honig fest genug ist, dann gilt’s. Egal wie spät es ist, egal, ob nun im Terminkalender gerade eine Geburtstagsfeier oder eine Verabredung steht. Es wird abgefüllt. Das ging bis tief in die Nacht bei René und Ramona Tangemann.
Man sieht: Viel Arbeit steckt in diesem kleinen 500-Gramm-Glas mit goldigem Inhalt. Aber die hat sich gelohnt. Den Honig aus der Frühtracht hat der Landesverband der Imker in Weser-Ems gerade mit Gold prämiert. „Es hat alles gepasst“, freuen sich René und Ramona Tangemann.
Zwei Goldmedaillen waren auf der Imkerversammlung jüngst in Löningen vergeben worden. In den beiden Jahren davor gab es kein Mal Gold. „Diese Auszeichnung strebt man als Imker an“, berichtet René Tangemann, der am Rote-Erde-Weg an der Grenze zwischen Nikolausdorf und Charlottendorf in der Gemeinde Wardenburg wohnt, stolz. „Die höchste Auszeichnung, die man als Imker bekommen kann.“
Die Bewertung folgt strengen Kriterien: Eine Jury nimmt Geschmacksproben, eine Probe wird im Institut für Bienenkunde in Celle auf Rückstände und Inhaltsstoffe untersucht. Und das hat dem Tangemann-Honig höchste Qualität bescheinigt.
Dabei ist das Honigjahr 2017 alles andere als gut. „Die Sommerernte ist komplett ausgefallen“, schildert René Tangemann. Ein Problem, über das alle Imker in diesem Jahr klagen: zu viel Regen. Was die Bienen gesammelt hatten, beließ René Tangemann in den Bienenstöcken, damit sie sich selbst ernähren können. Rund zwei Kilogramm Honig benötigen sie pro Tag. Aber Rückschläge gehören zum Geschäft.
Seit vier Jahren betreiben René und Ramona Tangemann die Imkerei. Unterstützt werden sie von Anita Tangemann, der Mutter von René, die in Petersdorf wohnt. In den vergangenen Jahren hatten sie keinen Honig zum Wettbewerb des Landesverbands eingereicht. Zeit und Sorgfalt – das sind für Tangemanns die Schlüssel zum Erfolg.
Bienenstöcke des Imkers stehen in Petersdorf, in Garrel, auch in Nikolausdorf. Die Bienen daraus sammeln in einem Umkreis von rund fünf Kilometern. Ein arbeitsintensives Hobby. Viele Stunden sind in den Sommermonaten der Imkerei gewidmet. Die Waben bleiben nicht länger als ein Jahr im Stock. Denn nur so, ist René Tangemann jedenfalls überzeugt, kann er hohe Qualität erzielen.
Genügend Nahrung finden seine schwarz-gelben Flieger in der Gegend allemal – und sei es auf dem Friedhof. Das oftmals zitierte große Bienensterben kann er für seine Völker jedenfalls nicht feststellen.
Für das nächste Jahr ist das Ziel klar: „Standard halten und erneut die Goldmedaille holen“, sagt René Tangemann. Und dann hoffentlich mit gutem Honig auch aus dem Sommer.
Erhältlich ist der ausgezeichnete Honig unter anderem bei der Bäckerei Burrichter in Petersdorf sowie bei der Milchtankstelle in Hundsmühlen.
