Nordenham - Seit zehn Jahren ist der Campingplatz an der Strandallee das Zweite Zuhause für Horst Wilkens. Immer im April zieht er mit Sack und Pack in seinen Wohnwagen. Das war auch in diesem Jahr so. Und dennoch hat der 63-Jährige diesmal mit einem anderen Gefühl als sonst seinen Wohnsitz an den Strand verlegt. 2005 hat er die Regie auf dem Nordenhamer Campingplatz übernommen. Nach dieser Saison ist Schluss, dann wechselt er in den Ruhestand. „Noch 13 Wochen, dann ist Feierabend“, sagt Horst Wilkens.
Kiosk selbst gebaut
Dem Nordenhamer geht es so wie den meisten, die sich aus dem Berufsleben verabschieden. Da ist neben der Vorfreude auf den Ruhestand auch das Gefühl, etwas aufzugeben: „Ich habe diesen Job immer sehr gerne gemacht“, sagt Horst Wilkens. Leicht fällt ihm der Abschied nicht.
Der Nordenhamer hat viel Arbeit in den Campingplatz gesteckt. Den Kiosk zum Beispiel, der direkt am Eingang steht, hat er selbst gebaut. Die Grünanlagen sind bestens in Schuss, auch wenn das Stutzen der Hecken nicht zu den Lieblingsaufgaben des gelernten Tischlers gehört. „Das kann sich doch sehen lassen“, findet Horst Wilkens – und er hat recht.
Der 63-Jährige weiß schon jetzt, was er am meisten vermissen wird. Das ist der Kontakt zu den Menschen. Vor allem der Umgang mit Kinder- und Jugendgruppen macht ihm viel Spaß. Manchmal kocht er mit ihnen gemeinsam Chili con Carne. Er hat auch schon kurze Nachtwanderungen organisiert. Von einigen Gruppen bekommt er später Fotos mit Unterschriften geschickt. „Das ist natürlich eine große Freude.“
Freunde gewonnen
Horst Wilkens hat auch schon viele Freundschaften geschlossen. Zum Beispiel zu einem Imker aus Leer, der eines Tages zu einem Imker-Treffen in Nordenham anreiste und sich spontan auf dem Nordenhamer Campingplatz einquartierte. Der Mann kommt seitdem jedes Jahr wieder. Mit vielen Dauercampern ist er befreundet. Sie kommen aus dem Sauerland, aus Köln, aus dem Kohlenpott und aus Ostfriesland. Horst Wilkens will diese Kontakte auf jeden Fall aufrecht erhalten und die Freunde besuchen, wenn er selbst unterwegs ist. Dafür hatte er in den vergangenen Jahren nicht allzu viel Zeit. Es gibt also einiges nachzuholen.
Gäste aus ganz Europa besuchen den Nordenhamer Campingplatz, der insgesamt 140 Plätze hat. Viele Tagesgäste sind mit dem Fahrrad auf dem Weser-Radweg unterwegs. Sie schätzen die überschaubare Größe und die familiäre Atmosphäre auf dem Platz, wo Horst Wilkens so eine Art Mädchen für alles ist. Wenn die Kinder in der Nachmittagssonne vor seinem Kiosk stehen und ein Eis haben wollen ist er zur Stelle. Und wenn irgendwo ein Wasserhahn tropft, dann holt der 63-Jährige die Zange aus der Werkstatt und macht sich auf den Weg. Nur der Papierkram ist nicht unbedingt das Steckenpferd von Horst Wilkens. Deshalb ist er froh, dass sich seine Frau Ria um die Buchführung kümmert. Sie hat dafür extra eine Fortbildung absolviert.
Horst Wilkens, der früher selbst leidenschaftlicher Camper war, freut sich, dass er bald die Zeit hat, sich einen Reisetraum zu erfüllen. Gemeinsam mit einem Kumpel will er mit dem Motorrad nach Marseille fahren. Außerdem will er an den Gardasee reisen – gemeinsam mit seiner Frau, im Wohnwagen.
Während Horst Wilkens Zukunftspläne schmiedet, sucht die Stadt nach einem Nachfolger. „Handwerkliches Geschick sollte er auf jeden Fall mitbringen“, sagt der 63-Jährige. Und natürlich sollte er mit Menschen umgehen können. Dieses Profil hat Horst Wilkens immer zu hundert Prozent erfüllt.
