Langeoog/Oldenburg - Hunderttausende kleine Plastikeier mit der Hand aus dem Sand pulen? Das alleine klingt schon nach einer Geduldsprüfung, die der Jedi-Meister Yoda aus dem Film Star Wars, seinen jungen Schülern auferlegt haben könnte. „Noch viel sammeln ihr müsst“, meint man ihn in seiner besonderen Art sagen hören, während er vergnügt lächelnd auf die Schar der gebeugten Rücken schaut.

Wer immer Wind und Wellen unter seiner Kontrolle hat, scheint Gefallen an dem Szenario gefunden zu haben. Denn als hätten die Langeooger mit den Überraschungseiern nicht schon genug zu tun, sind am Donnerstag massenweise Star-Wars Lego-Figuren am Strand der Insel angespült worden.

„Dass hier mal was anlandet, klar. Aber sowas? Das haben wir hier noch nicht erlebt“, sagt Thomas Pree, Marketingleiter der Tourismus & Service Langeoog. Das Spielzeug stammt vermutlich aus einem Schiffscontainer, der am Mittwoch im Sturm über Bord eines Frachters gegangen und aufgeplatzt war.

Neben Star-Wars-Figuren und Überraschungseiern spülen die Wellen außerdem noch Fahrradreifen und Plastiktüten an. Und die große Frage ist: „Wie kriegen wir das wieder sauber“, seufzt Pree. Wenigstens seien es keine Fässer mit giftigem Abfall gewesen, sagt Pree. So klingt Inseloptimismus.

Viele Urlauber haben sich mittlerweile mit Müllsäcken bewaffnet und sammeln ein, was geht. Und was für die großen Insulaner einer Katastrophe gleichkommt, ist für die Kleinen ein Paradies. Der Insel-Kindergarten ist in Mannschaftsstärke angetreten, kleine Urlaubsgäste ziehen ihre Eltern kräftig Richtung Hauptstrand – jeder mag eins der bunten Plastikeier mit nach Hause nehmen.


Aber darf man das so einfach? „Das ist schon kein alltäglicher Vorgang“, sagt Frank Mauritz vom Hauptzollamt Oldenburg. Seine Behörde ist unter anderem dafür zuständig, dass angestrandete Ware nicht einfach wegkommt. Denn: Wenn Fracht anstrandet, unterliegt sie der zollamtlichen Überwachung. Für eine kürzlich angetriebene Holzladung etwa hat das Hauptzollamt Oldenburg ein Verfügungsverbot erlassen, da Einfuhren in die EU verzollt werden müssen. Selbstbedienung ist also tabu.

Und was ist mit den Kindern, die jetzt auf der Insel Eier sammeln? Machen die sich etwa strafbar? „Gehen Sie davon aus, dass es eine wohlwollende Prüfung geben wird“, sagt Mauritz. „Das Spielzeug fällt auf jeden Fall unter eine Freibetragsgrenze. Wer das jetzt aufsammelt, der wird kein Zollsteuerschuldner, und der hinterzieht auch keine Abgaben.“ Kinder, die ein Ei oder eine Figur mit nach Hause nehmen, müssen also keine Angst vor dem Zoll haben.

Vor der Insel-Polizei im übrigen auch nicht. Kinder werden – ganz generell – und auf Langeoog ohnehin nicht verfolgt, heißt es aus der Amts-Stube auf NWZ -Anfrage. Insel-Bürgermeister Uwe Garrels ist vor allem wichtig, dass das ganze Plastik wieder von seinem schönen Strand verschwindet. „Wir sind mit den Aufräumarbeiten am Hauptstrand gut vorangekommen“, sagt Garrels am Donnerstagabend im Gespräch mit der NWZ .

Mittlerweile hat sich im Rathaus der Insel auch ein Versicherer gemeldet. „Mit dem werden wir abrechnen“, sagt Garrels. Aber friedlich. Und auf dem Papier. Die Gemeinde wird dem Konzern nämlich die geleisteten Arbeitsstunden in Rechnung stellen. Das werden wohl noch viele sein. Und bis dahin, allen Sammlern: Möge die Macht mit euch sein !