NORDENHAM - Hinter Bäumen und einem Bretterzaun verbirgt sich eines der traditionsreichsten Gebäude-Ensembles in Nordenham: Gut Tongern. Jetzt ist die landwirtschaftliche Nutzung der Gebäude ausgelaufen – und die Eigentümer-Familie Becker arbeitet an einem neuen Konzept für das 260 Jahre alte Gut.

Der Nordenhamer Architekt Henning Wessels hat für die Veränderungen eine Bauvoranfrage an die Stadt gerichtet, und der Bauausschuss des Stadtrates hat sich die Sache am Mittwochabend in öffentlicher Sitzung im Zuge des gemeindlichen Einvernehmens angesehen.

Landwirtschaft ist auf dem Gut zum ersten Mal seit 1746 nicht mehr möglich, sagt Ummo Becker, der für seine Familie die Planung in die Hand genommen hat. Deshalb strebt er für das etwa 1,5 Hektar Hof-Areal eine kombinierte Nutzung aus Wohnen und Gewerbe an. Becker hat seine Fühler in verschiedene Richtungen ausgestreckt, aber feste Interessenten hat er noch nicht.

Laden im Backhaus?

Klar ist aber schon, dass er die historischen Gebäude erhalten will: das niedersächsische Hallenhaus und das kleine Nebengebäude, das früher mal ein Backhaus oder ein Torhaus gewesen sein mag. Das Hallenhaus ist um 1750 errichtet worden, und zwar auf einem gebrauchten Eichenständerwerk, das die ersten Eigentümer mit in die baumarme Marsch gebracht hatten. „Es muss etwa 400 bis 500 Jahre alt sein“, schätzt Ummo Becker.


Allerdings sind die alten Mauern feucht, sie lassen sich nicht sanieren. Deshalb will Ummo Becker die Gebäude Stein für Stein abtragen, ein neues Fundament verlegen und die Gebäude dann wieder aufbauen lassen. Dadurch wird das Ensemble deutlich ansehnlicher werden.

Das kleine Gebäude soll vermutlich vergrößert und dann als Laden oder Kleinwerkstatt genutzt werden. Ummo Becker denkt an den Verkauf von Produkten aus der Region. Die Verwirklichung wird mehrere Jahre dauern. Aber, sagt Ummo Becker: „Das könnte das Stadtbild aufwerten. Nordenham hat ja nicht so viele alte Häuser.“

Im alten Hallenhaus könnte eine Wohnung entstehen, im Laufstall nebenan, der nach dem Brand um 1970 errichtet wurde, eine Lager- oder Verkaufshalle. In der Diskussion ist auch ein Sechs-Familienhaus. Die beiden Wohnhäuser auf dem Grundstück sollen unverändert erhalten bleiben und weiter zum Wohnen genutzt werden.

Finanziert werden sollen die Vorhaben zum Teil durch den Verkauf von 5,8 Hektar Bauland an der Wesermarsch-Klinik für 51 Grundstücke (die NWZ  berichtete), zum anderen Teil durch Förderung für historische Gebäude, auf die Ummo Becker hofft.

Wiesen werden planiert

Die verbleibenden rund 32 Hektar Grünland hat der Lohnunternehmer Frerk Francksen aus Isens gepachtet. Er lässt die Flächen gerade planieren und dann neues Gras ansäen, erläutert Ummo Becker. Der Grasschnitt soll sowohl an Biogas-Anlagen als auch an Landwirte verkauft werden. Der Anbau von Mais sei nicht geplant.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland