NORDENHAM - „Wir haben den Eisenbahn-Virus. Man muss so genau bauen, wie bei einem großen Haus.“ Rolf Gerdes von den Butjadinger Modellbahnfreunden weiß, wovon er spricht. Er ist einer der drei unermüdlichen Nachbauer einer 20 Kilometer langen Strecke zwischen Eckwarderhörne und Nordenham, die von der Butjadinger Bahn bis in die 60er Jahre befahren wurde.
Absolut detailgetreu
Nach der endgültigen Stilllegung der Strecke hat Rolf Gerdes den Bahnhof in Stollhamm sofort nachgebaut. Als Sohn des früheren Stollhammer Bahnhofswirts Heinz Gerdes hatte er natürlich eine direkte Beziehung zu dem Objekt und wollte es mit dem Nachbau in Erinnerung behalten. Sein vor 27 Jahren entstandenes absolut detailgetreues Modell sowie weitere Teilstücke aus der Neuzeit brachte er für die Ausstellung am Sonntag im Güterschuppen mit.
Zusammen mit seinen Mitstreitern Helmut Reins und Rainer Bühring bauten sie am Sonnabend erstmalig die aus vielen Modulen bestehende Strecke in einer U-Form im Zuschauerraum des Theaters Fatale auf. „Es war ein Risiko, denn wir haben die Strecken vorher nicht zusammengeführt. Bis auf einen kleinen Wackelkontakt hat aber alles auf Anhieb funktioniert“, freute sich Rolf Gerdes.
Rund 200 Arbeitsstunden und etliche Euro haben die Modellbauer in den vergangenen zwei Jahren in ihr Werk gesteckt. 26 Meter Bahngleise sind entstanden, die von Bäumen, Tieren, Häusern, Menschen und Fahrzeugen gesäumt werden. Eine exakte technische Zeichnung der Gesamtstrecke war dafür nötig.
„Man muss eine Zeichnung wie ein Architekt machen“, erzählt Gerdes. Basis für die Pläne waren vor allem Fotos aus dem Nordenhamer Museum und aus Privatbesitz, die den Modellbauer einen Einblick vermitteln konnten. Da für einige Gebäude natürlich keine Grundrisse mehr vorhanden waren, bediente sich Gerdes eines Tricks. Anhand der genormten Türhöhen konnte er auf die Höhe des Gesamtgebäudes schließen und dessen Ausmaße für den Nachbau genau berechnen.
Es war nicht ganz einfach einen geeigneten Raum zu finden, um die Gesamtheit der Strecke zu zeigen. Und auch am Sonntag sahen die vielen Besucher, die den Weg in den Güterschuppen fanden, nicht alle Streckenabschnitte. Einige Kurven und die Bahnhöfe in Eckwarden und Eckwarderhörne mussten in den Kisten bleiben. Das Interesse an dem Modell war riesig, mehr als 1000 Menschen kamen ins Theater und ließen sich von der Miniaturwelt faszinieren. Viele von ihnen kannten die Haltestellen und Bahnhöfe noch aus eigener Anschauung und sahen sich den Ist-Zustand aus den 50er Jahren genau an. Eine Minikamera im Zug zeigte die Fahrt aus der Perspektive des Lokführers.
„Hier fehlt eine Kurve“
Harald Maas aus Phiesewarden war einer der Besucher, der an der Strecke in Hollwarden gearbeitet hat und die Bahn oft benutzte. „Hier fehlt eine Kurve“, war er sich beim Anblick des Teilstückes vor dem Burhaver Bahnhof sicher. Rolf Gerdes konnte ihm nur schmunzelnd zustimmen: „Wenn wir die Kurve gebaut hätten, hätten wir die Wand hinter mir einreißen müssen.“
