NORDENHAM - Wie sein Interesse für die Jagd geweckt worden ist, weiß Jörg Hullmann nicht mehr. In seinem Elternhaus in Ellwürden sei er nicht dahin orientiert worden, sagt der Sohn eines Zimmererpoliers. Vielleicht habe in der Kindheit die Beobachtung von Treibjagden eine Rolle gespielt. Wie auch immer: Vor 17 Jahren hat sich der heute 43-Jährige dazu entschlossen, einen Jagdschein zu machen. „Erst hinterher habe ich entdeckt, dass ich mir damit ein sehr breit gefächertes Hobby zugelegt habe.“
Zehn Jahre war der Atenser, der freiberuflich als Bauingenieur tätig ist, im Hegering Nordenham Obmann für jagdliches Schießen. 2008 wurde er als Nachfolger von Rolf Medau, der nach 28 Jahren nicht wieder kandidierte, zum Hegeringleiter gewählt.
Jörg Hullmann hat dieses Ehrenamt gerne übernommen. „Das ist zwar Arbeit, aber positiver Stress.“ Er möchte gerne mitwirken an der künftigen Gestaltung der Jagd. Dabei wird es auch um Fragen des Artenschutzes und Zusammenwirkens mit dem Naturschutz gehen.
Zur Vielfalt seines Hobbys gehören unterschiedliche Jagdarten: Treibjagden auf Niederwild (vorwiegend in Marschgebieten), Ansitzjagd auf Reh- und Raubwild, Ansitzjagd auf Hochwild wie Wildschweine und Hirsche (außerhalb der Wesermarsch), Lockjagd zum Beispiel auf Krähen oder auch Bau-Jagd auf Füchse.
Bläsergruppe Kleine Weser
Auch das Jagdhornblasen gefällt Jörg Hullmann. Er macht in der Bläsergruppe Kleine Weser mit.
Beim jagdlichen Schießen kommt es darauf an, die Fertigkeiten mit der Waffe ständig zu verbessern.
Die Arbeit mit Jagdhunden findet Jörg Hullmann besonders reizvoll. Viele Jagden seien ohne Gebrauchshunde nicht möglich. Bei Treibjagden und Jagden auf Wasserwild seien geprüfte Jagdhunde gesetzlich vorgeschrieben. „Wenn Jäger und Hund in gemeinschaftlicher Arbeit zum Erfolg kommen, ist das schon eine tolle Sache.“
Für Jörg Hullmann ist die Jagd inzwischen zu mehr geworden als ein Hobby und Ausgleich zum Beruf. „Das ist schon fast wie eine Passion.“ Jagdfieber kennt er aber nicht, weiß auch nicht, was darunter zu verstehen ist. „Selbstverständlich will ich Jagderfolg haben, also im Klartext Beute machen, sonst würde ich nicht losgehen. Nachhaltige Nutzung der Wildbestände – nichts anderes ist Jagd.“
36 Jäger im Hegering
Dem Hegering Nordenham gehören zurzeit vier Gastmitglieder und 36 Jäger als Hauptmitglieder an. Das Durchschnittsalter ist sehr hoch. Neue Mitglieder sind dringend erwünscht. Nach Elsfleth ist er der kleinste Hegering im Landkreis. Die Kreisjägerschaft hat insgesamt 650 Mitglieder.
Zur 1800 Hektar umfassenden bejagbaren Fläche gehören nicht Abbehausen und Esenshamm, sondern Blexen, Phiesewarden und das übrige Stadtgebiet. Das Besondere: Es gibt immer wieder Berührungspunkte mit Wohngebieten und Industrieflächen. Wo Rehwild in Gärten vordringt, wie im Wohngebiet hinter dem Stadtwald geschehen, kommt es zu Konflikten. Aber die Jäger dürfen dort, in den sogenannten befriedeten Bezirken, nicht jagen. Ausnahmeregelungen gibt es für einzelne Jäger, die eine Schießerlaubnis für Industriegelände haben. Jörg Hullmann: „Darüber sind wir sehr froh, denn die Hälfte der Fuchsstrecke wird auf Werksgelände erlegt. Nordenham hat eine sehr hohe Fuchsdichte. Die Tiere halten sich nicht an Grenzen. Dem Fuchs macht die Nähe zum Menschen nichts aus, sondern er nutzt die Vorteile.“
Als Hegeringleiter blickt Jörg Hullmann so nach vorne: „Die Jagd steht im Focus, das ist keine Frage. Sie wird oft kritisch dargestellt. Ich habe nichts gegen konstruktive Kritik, wohl aber gegen einseitige. Wir Jäger müssen da offener werden – offener auch für Veränderungen.“
