NORDENHAM - Pachal warnte vor der Schließung von Schwimmbädern. Seine Festrede hatte scharfe Spitzen.
Von Torsten Lange
NORDENHAM - „Eine alte Dame wird 75“: Mit diesen Worten leitete Andreas Pachal, Vorsitzender der DLRG Nordenham, seine Festrede anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Ortsgruppe ein. Am Sonnabend feierten die Lebensretter das Jubiläum im Eintracht-Vereinsheim. Gäste aus der Politik sowie Vertreter befreundeter Hilfsorganisationen und anderer DLRG-Ortsgruppen waren zu der Veranstaltung gekommen.Pachal blickte zurück auf die Historie der DLRG Nordenham, die am 26. September 1930 mit der Gründung einer Bezirksgruppe begonnen hatte. 75 Jahre habe die DLRG zum Wohle der Bürger Nordenhams und ihrer Gäste gearbeitet, sagte Pachal nicht ohne Stolz. Vieles habe sich im Laufe der Jahre gewandelt. So sei die DLRG mittlerweile in den Katastrophenschutz des Landkreises eingebunden und arbeite eng mit anderen Hilfsorganisationen zusammen.
Das Ziel, Menschen in Not zu retten und fachlich zu versorgen, so Pachal, erfordere Training und auch materiellen Aufwand. Er fand klare, aber freundliche Worte der Mahnung. Die zunehmend kritische Situation der öffentlichen Haushalte dürfe nicht dazu führen, dass Schwimmbäder geschlossen würden. Geschehe dies, so fielen wichtige Ausbildungsstätten weg. Die Folge wären mehr Nichtschwimmer und schlechte Schwimmer. Unweigerlich würde die Zahl der Badeunfälle und Toten ansteigen.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssten auch die Vereine auf ihre Finanzen schauen, zumal weniger Sach- und Geldspenden eingingen. Die Entschädigung der DRLG aus dem städtischen Haushalt nannte Pachal ein „Almosen“, das gerade die Kosten abdecke. Der Ortsgruppenvorsitzende vermisste zudem eine Anerkennung der Arbeit der Hilfsorganisationen in der Öffentlichkeit. Wenn etwas passiere, seien sie schon da – das werde als selbstverständlich angesehen. In diesem Sinne sprach Pachal von einer Missachtung des ehrenamtlichen Engagements. Eine Festrede, die scharfe Spitzen hatte.
Vizebürgermeisterin Angelika Zöllner antwortete in ihrer Ansprache, dass bei allen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements nicht auf Null gestrichen werden dürfe. Die Stadt werde „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ weiterhin die Organisation fördern. Zöllner sagte, die DLRG vermittle ein Gefühl der Sicherheit und trage dazu bei, die Stadt ein Stück sicherer zu machen. Außerdem betonte sie die Bedeutung der DLRG bei der Schwimmausbildung, die eigentlich Aufgabe der Schule sei, dort aber überwiegend nicht mehr geleistet werde.
Der stellvertretende Landrat Karlheinz Ranft hielt eine mit persönlichen Erinnerungen angreicherte Ansprache. Er erinnerte an Rudi Schnabel, bei dem er das Schwimmen gelernt hatte, und an das einst so belebte Nordenhamer Strandbad. Ranft berichtete auch über Badeaufsichten an den „Blexer Dünen“, wo ein Ruderboot als Rettungsmittel zur Verfügung gestanden hatte.
Siegfried Gaida überbrachte Grüße des Kreissportbundes. Zu den weiteren Gratulanten gehörten der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfwerks, Fritz Güttler, und Vize-Stadtbrandmeister Franz Sichau.
