NORDENHAM - Nie wieder eine Gasrechnung bezahlen müssen? Für immer mehr Hausbesitzer ist das ein verlockender Gedanke – so verlockend, dass sie sich sogar die Nutzung der Erdwärme vorstellen können. Die neueste Bohrung an der Schleswiger Straße lockt am Mittwoch fast 20 Interessierte an.

Marktführer in Nordenham

„So viel waren es an einem Tag noch nie“, sagt Karl-Heinz Büsing. Er ist einer der beiden Inhaber und Geschäftsführer von Haustechnik Menzel. Seit gut drei Jahren bietet das Unternehmen diese Technik an. Zunächst lief das Geschäft schleppend an, doch inzwischen kommen immer mehr Aufträge herein. Dies ist die 16. Anlage, die das Handwerksunternehmen installiert. „Damit sind wir hier Marktführer“, sagt Karl-Heinz Büsing.

Wieder ist es, wie bei 80 Prozent der bisherigen Aufträge, eine Tiefbohrung. Diesmal liegt die nie versiegende Energiequelle 150 Meter unter dem kleinen Garten des Hauses Nummer sieben. Zum ersten Mal setzt die Huder Brunnenbaufirma Reiner Hartmann, die für Menzel als Subunternehmen tätig ist, den neuen gartenschonenden Tiefbohrer ein.

Insgesamt 100 jeweils 1,50 Meter lange Rohre dreht das Gerät in den Boden. Bis Freitagmittag soll die gewünschte Tiefe erreicht sein. Dort ist das Grundwasser mit zehn bis zwölf Grad so warm, dass es das Einfamilienhaus komplett heizen und mit Warmwasser versorgen kann.


Wasser braucht der Tiefbohrer auch, um den 16 bis 18 Zentimeter breiten Schacht auszuspülen; es kommt von einem Hydranten am nahen Mittelweg. Mit dem Wasser wird zunächst Erde und ab einer Tiefe von 15 Metern Sand hochgespült, die in einen Container laufen. Das Wasser wird in den Gully gegossen, Sand und Erde entsorgt der Brunnenbauer dann in Hude, erläutert Büsing.

Umgekehrter Kühlschrank

In den Schacht werden vier dünne schwarze Kunststoffschläuche herabgelassen, die eine Mischung aus Wasser und Frostschutz enthalten. Sie nehmen die Erdwärme aus 150 Metern Tiefe auf und transportieren sie zu einem Wärmetauscher im Haus, der daraus nach dem Prinzip des umgekehrten Kühlschranks Wärme für Heizung und Warmwasser entnimmt.

Zur Stabilisierung des dünnen Schachtes wird Brunnendämmer eingefügt, eine Zement-Beton-Mischung.

Wenn die drei Brunnenbauer fertig sind, rückt Haustechnik Menzel an und erledigt den Rest. Das dauert weitere zweieinhalb Tage.

Erdwärme kann auf zwei Arten gewonnen werden, erläutert Karl-Heinz Büsing. Die deutlich günstigere Variante ist der Flächenkollektor, bei dem die Leitungen mit der Soleflüssigkeit etwa 1,50 Meter tief ins Erdreich eingebracht werden. Das kostet einschließlich der gesamten Anlage im Haus ab etwa 15 000 Euro, Eigenleistung ist möglich. Allerdings werden pro 100 Quadratmeter Wohnfläche etwa 250 bis 300 Quadratmeter Gartenfläche gebraucht – und die haben gerade Eigentümer von Neubauten so gut wie nie. Deshalb ist hier die Tiefbohrung erforderlich, die inklusive der gesamten Anlage ab 20000 Euro zu haben ist. Allein die Bohrung an der Schleswiger Straße kostet 9000 Euro.

Wer diese Investition einmal gestemmt hat, muss nie wieder eine Gasrechnung bezahlen. Allerdings erhöht die Elektrik für diese Energiegewinnung seine Stromkosten. Dennoch sinken die Energiekosten um insgesamt gut die Hälfte. Wartungen sind alle fünf Jahre erforderlich, die Anlage hält nach Auskunft von Karl-Heinz Büsing 25 bis 30 Jahre, der Brunnen noch viel länger. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings, dass das Haus gut isoliert ist.