NORDENHAM - Die Händler auf dem Wochenmarkt reagieren nüchtern. Sie erwarten die letzte „Linda“-Ernte im Jahr 2008.

von jens joest

NORDENHAM - Das Urteil von Anja Steppat-Tatje ist eindeutig: „Schwachsinn“ nennt die Nordenhamerin das bevorstehende Ende der Speisekartoffel „Linda“. Auch Heike Dollerschell kann bei einer Umfrage der NWZ auf dem Wochenmarkt die Entscheidung des Lüneburger Saatgutherstellers Europlant nicht verstehen. „Die können doch eine Kartoffelsorte nicht einfach so in den Boden stampfen“, sagt sie.

Doch, sie können. Zwar hat „Linda“ im Nordwesten viele Freunde – die Befragten in Nordenham verwenden sie besonders gern für Kartoffelsalat, im Eintopf oder als Pellkartoffel. Aber der Beschluss der Europlant hat handfeste wirtschaftliche Gründe: Nach 30 Jahren auf dem Markt ist der Sortenschutz für „Linda“ ausgelaufen. Damit hätten Bauern die Kartoffel gebührenfrei anbauen dürfen. Das wollte Europlant nicht, ließ daher „Lindas“ Zulassung beim Bundessortenamt zur Jahresmitte 2007 streichen und stellt die Produktion ihres Saatguts ein. Ersetzen sollen „Linda“ Kartoffeln, die noch sortengeschützt sind und die anbauenden Landwirte Lizenzgebühren kosten.

Nüchterner als ihre Kunden sehen die vier Kartoffelhändler auf dem Nordenhamer Wochenmarkt „Lindas“ nahendes Ende. „Wenn Qualität und Geschmack stimmen, werden die Kunden sich rasch an andere Kartoffelsorten gewöhnen“, glaubt Carsten Dieterichs.

Im Sortiment des Händlers aus Hagen im Landkreis Cuxhaven spielt „Linda“ ohnehin eine untergeordnete Rolle und macht geschätzt 20 Prozent aus. Von Kartoffeln wie „Cilena“, „Leyla“ oder „Sieglinde“ verkauft er viel größere Mengen. Heinrich Schröder aus Ellwürden kennt ähnliche Zahlen. „Fünf, sechs von insgesamt 280 Sorten beherrschen den deutschen Markt“, sagt Schröder. „Linda“ zähle nicht dazu, sondern belege nur wenige Prozent der bundesweiten Anbaufläche.


Ganz ohne Bedauern nehmen die Händler das angekündigte Aus der gelbfleischigen festkochenden Kartoffel aber nicht hin: „Es wäre schon schade, wenn die Sorte ganz vom Markt verschwinden würde“, findet Holger Hochheider aus Schwei. Ob „Linda“ ein Verlust sei, müsse die Zeit zeigen: „Das sehen wir erst, wenn die Nachfolgesorten auf dem Markt sind.“

Für Heinz Stemmermann ist das Ende von „Linda“ zumindest ein Risiko: Ähnlich wie Carsten Dieterichs baut der Händler aus Altwistedt (ebenfalls Landkreis Cuxhaven) die Kartoffel selbst an – auf drei von zehn Hektar seiner Ackerfläche. Das will er so lange wie möglich fortführen. Stemmermann rechnet damit, erst 2008 die letzte „Linda“ zu ernten: „Es gibt ja noch mindestens zwei Jahre ihr Saatgut.“

In diesem Jahr erwartet Heinrich Schröder eine gute Nachfrage, denn: „Schon als ,Lindas‘ Ende in den Medien bekannt wurde, haben viele Kunden gezielt nach ihr gefragt.“ Von August bis Mai hat „Linda“ Saison. Es ist ihre drittletzte – voraussichtlich.