NORDENHAM - Einen interessanten Vortrag hörten die Besucher der Veranstaltung zum Internationalen Frauentag am Sonnabend in der Jahnhalle. Karin Windheim-Czichon, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nordenham, hatte über Frauengeschichte und Frauengeschichten in Nordenham recherchiert und stellte ihre Ergebnisse vor.

Die Geschichte werde von Frauen und Männern sehr unterschiedlich wahrgenommen, machte Karin Windheim-Czichon deutlich. Die auch in Nordenham existenten bedeutenden Frauen hätten eine Vorbildfunktion und lehrten Gerechtigkeit und Achtung.

Zuerst führte die Referentin die Sage von Antrin, Trinlin und Fromagret, den Schwestern aus der Heiligenwiehmstraße an, die an die Armen uneigennützig Schweinefleisch verteilten. Vor 300 Jahren habe eine schlechte Meinung über Frauen geherrscht. Sie wurden als nichtsnutzig angesehen. Die Kunstmalerin Anna Emilie Clara Rogge (genannt Emy), geboren 1866, lebte bis zu ihrem 21. Lebensjahr in Nordenham und wurde später Mitglied des Künstlerbundes in Oldenburg. Sie sorgte unverheiratet und eigenständig für ihren Lebensunterhalt. Als weiteres Beispiel bedeutender Frauen nannte Karin Windheim-Czichon die Haushälterin, die Stadtgründer Wilhelm Müller den Rücken freihielt. Lobend erwähnt wurden auch die Frauen, die unter schweren Bedingungen in der Fischverarbeitung tätig waren.

Der Anteil der Frauen im Nordenhamer Stadtrat habe immer geschwankt. Einen Höhepunkt erreichte er nach dem Zweiten Weltkrieg mit fünf Frauen. Zurzeit seien acht Frauen im Stadtrat, was einer Quote von 21,5 Prozent entspreche. 1926 war Marita Terborg deutschlandweit die jüngste Bürgermeisterin. Ilsa Wübbenhorst wurde einige Jahre zuvor in den Oldenburger Landtag gewählt.

In den 1920er-Jahren habe sich das Aussehen der Frauen geändert, es wurde frecher und offener, man tanzte Charleston auf vielen gesellschaftlichen Feiern. Zur Produktionsmaschine degradiert wurden die Frauen in der NS-Zeit, wo sie systematisch aus ihren Berufen gedrängt wurden. Einige Jahre später waren sie dann gut genug für den Kriegshilfsdienst und den Reichsarbeitsdienst. Bei Weserflug in Einswarden arbeiteten 150 Frauen, darunter viele Zwangsarbeiterinnen.


In der Nachkriegszeit rückten die Frauen enger zusammen, unterstützten und halfen sich gegenseitig, so Karin Windheim-Czichon. Daraus resultierte in den 70er-Jahren die zweite große Frauenbewegung. 1958 wurde im Grundgesetz die Gleichheit von Mann und Frau verankert.

Der erste Internationale Frauentag in Nordenham fand 1959 in der Strandhalle statt. Als echtes „Flintenweib“ berichtete Heide Hildebrand seinerzeit von der anfänglichen Skepsis der Männer gegenüber Frauen als Sportschützinnen. Adele Hermann war 1970 Gründungsmitglied des DRK Kreisverbandes. Alwine Tapferwein betreute die Obdachlosen in der „Herberge zur Heimat“, Gertrud Reichelt kümmerte sich um politisch Verfolgte, wofür sie 1955 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt. Dr. Claudia Nolte-Schwarting ist bis heute die einzige Richterin Nordenhams.

Die Gleichstellungsbeauftragte forderte ihre Zuhörer auf, nach weiteren bedeutenden Nordenhamer Frauen zu suchen. Sie schlug die Gründung eines Arbeitskreises vor, der weitere Fakten sammelt.

Neben Karin Windheim-Czichon referierte Gabi Beckmann vom Zentrum für Frauen-Geschichte in Oldenburg (die NWZ berichtet noch). Das Rahmenprogramm gestalteten die Musikgruppe Seewind und die Tanzgruppe Lawai, beide aus Nordenham.