NORDENHAM - Sie ziehen regulär ein, zahlen nach einer gewissen Zeit keinen Cent Miete und gehen erst nach langem Streit: Die so genannten Mietnomaden verursachen auch im Geschäftsbereich des Amtsgerichts Nordenham einen zunehmend großen Schaden. Diese Menschen sind nach den Worten von Dr. Claudia Nolte-Schwarting schwer zu fassen. Das sei sehr schwierig für die Vermieter, so die Direktorin des Amtsgerichts Nordenham.

Das Dilemma spiegelt sich in dem Anstieg der Zivilprozessverfahren von 447 (2006) auf 487 im Jahr 2007 wider. In der Zahl enthalten sind immer mehr Mietprozesse und Räumungsklagen sowie säumige Zahlungen von Schuldnern, teilte die Juristin bei der Vorstellung der Jahresstatistik des Amtsgerichts mit (die NWZ berichtete).

Ein Anstieg ist auch bei den Zwangsversteigerungen und Zwangsverwaltungen von Immobilien zu verzeichnen. Sie sind von insgesamt 63 Fällen (2006) auf mittlerweile 333 Verfahren gestiegen. Ein Grund für den Anstieg sei in der Zwangsverwaltung des Hochhauses am Mittelweg zu suchen, so Claudia Nolte-Schwarting. Der Fall sei diffizil. Jede Eigentumswohnung, die sich in der Immobilie befinde, bedeute ein gesondertes Verfahren. Ein Termin für die Zwangsversteigerung des Objekts steht nach ihren Worten noch nicht fest.

Rückläufig ist die Zahl von Regel- und Verbraucherinsolvenzanträgen von 372 auf 255 im Jahr 2007. Die Ursache sieht die Direktorin hauptsächlich in einer Gesetzesänderung begründet, die den Anstieg für 2006 verursachte. Viele Schuldner hätten aufgrund der damaligen Gesetzeslage noch die Chance genutzt und Insolvenzanträge gestellt.

Zugenommen haben indes die Rechtsberatungen um 121 auf jetzt 1256. Das sei für das Amtsgericht mit 465 Fällen ein großer Geschäftsbereich. Das Gericht müsse die Beratung der sozial schwachen Mitbürger aus eigenen finanziellen Mitteln leisten. „Der Beratungsbedarf ist hoch“, stellte sie fest. Oft seien die Menschen einfach zu unbeholfen, um eine Versicherung zu kündigen oder auf das Schreiben eines Gläubigers zu antworten.


Die Mitarbeiter des Amtsgerichts sind laut Claudia Nolte-Schwarting über alle Maßen ausgelastet. So leisteten die Rechtspfleger – es stehen 5,5 Stellen zur Verfügung – derzeit 170 Prozent des üblichen Pensums. Die Rechtspfleger sind nach ihren Worten besonders knapp – nicht nur im Gerichtsbezirk für Nordenham, Butjadingen und Stadland. Es sei in den Jahren zuvor versäumt worden, den Nachwuchs auszubilden. Nun gebe es keinen Ersatz bei vakanten Stellen. Die Durststrecke betrifft nach Auskunft von Claudia Nolte-Schwarting viele Gerichte, doch in Nordenham sei es „besonders schlimm“.