NORDENHAM - „Die Latzhosen im Doppelpack, habt ihr die da?“, fragt ein Herr mit Mütze. Edeltraut Beuge, Inhaberin des Quelle-Shops an der Viktoriastraße, muss passen. „Ich kann Ihnen leider nicht mehr weiterhelfen, ich darf auch nicht mehr bestellen.“ „Oh“, entfährt es dem Mann. Natürlich weiß er, dass es den Laden nach der Pleite des Quelle-Konzerns nicht mehr geben wird. Er erkundigt sich, wie es den Beuges geht, und weiß auch keinen Rat. Er wünscht alles Gute und geht. Ohne Latzhosen.
„Stammkunden wie diesen haben wir viele“, sagt Edeltraut Beuge. „Die fragen sich jetzt alle, was aus dem Laden wird.“ Darauf haben sie und ihr Ehemann Uwe keine Antwort. Dass Quelle am Ende ist, haben auch sie aus dem Fernsehen erfahren. „Die Zusammenarbeit war immer gut“, lobt Uwe Beuge. „Doch es ist traurig, dass wir unseren Kunden nicht mehr sagen können, als sie selbst wissen.“ Edeltraut Beuge meint: „Es ist nicht schön, dass man uns in der Luft hängen lässt.
Hätten sie sich eine Rettungsaktion durch die Politik gewünscht – wie bei Opel? „Man kann nicht immer nach dem Staat rufen“, entgegnet Uwe Beuge. „Es wurden Fehler im Management gemacht. Es hat ja schon im letzten Sommer begonnen.“ Edeltraut Beuge erinnert sich: „Die Wartezeiten auf die Waren wurden immer länger.“
Kein neuer Leerstand
„Wir haben die Selbstständigkeit gelebt – selbst und ständig“, sagt Uwe Beuge. Die Kunden haben sie selbst bedient. „Nur, wenn einer krank war, haben wir eine Aushilfe aus der Familie geholt“, fügt Edeltraut Beuge hinzu. Ihr Mann arbeitet als Schichtmeister bei Kronos Titan, das gibt ihnen Sicherheit.
„Für den Ruhestand bin ich zu jung und für den Arbeitsmarkt zu alt“, meint die 50-Jährige und lächelt.
Kunden sollen bleiben
Immerhin: Die Geschäftsräume behalten sie. Wenige Jahre, nachdem sie den Laden angemietet hatten, kauften sie ihn. Hier wollen sie mit einem anderen Geschäft weitermachen. Verhandlungen, lässt Uwe Beuge durchblicken, würden bereits geführt.
„Erst wollen wir unseren Vertrag mit Quelle erfüllen“, sagt er. Bis dahin werden die Beuges den Laden morgens öffnen und sich um jeden Kunden kümmern, so gut es geht. „Wir wollen in guter Erinnerung bleiben“, sagt Edeltraut Beuge und lächelt. „Damit das die Kunden von morgen werden.“
