NORDENHAM - Der Widerstand gegen den Abzug der kardiologischen Ambulanz im Krankenhaus ist riesig. Der Berufungsausschuss muss jetzt entscheiden.

von norbert hartfil

NORDENHAM - Uwe Schimmel wollte die Zahl auch nach der zweiten Überprüfung kaum glauben. Als seine Frau dann beim dritten Nachzählen zu dem selben Ergebnis kam, war er „regelrecht platt“. 6935 Menschen aus Nordenham und Butjadingen haben mit ihren Unterschriften Uwe Schimmels Aktion zum Erhalt der kardiologischen Ambulanz an der Wesermarsch-Klinik unterstützt. Diese enorme Resonanz wertet der 42-Jährige als „eindrucksvollen Beleg“ für den großen Bedarf an einer Herzambulanz in der nördlichen Wesermarsch.

Drei Wochen lang hatten 107 Unterschriftenlisten in Geschäften, Praxen, Tankstellen, Kiosken und öffentlichen Einrichtungen ausgelegen. Von den insgesamt 7067 Eintragungen mussten 132 gestrichen werden, weil die Unterschriften ungültig waren. Wäre nicht ein gutes Dutzend Listen aus unerfindlichen Gründen verloren gegangen, hätte Schimmel die Grenze von 7000 Unterschriften locker erreicht. Aber auch so ist er mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Denn zum Auftakt der Aktion hatte er noch gedacht, dass 2000 Unterschriften schon ein Erfolg wären (die NWZ berichtete).

Uwe Schimmel richtet ein großes Dankeschön an alle Nordenhamer und Butjadinger, die ihn unterstützt haben. Sei es durch das Auslegen der Listen oder durch ihre Unterschrift. Er hofft, dass die eindrucksvolle Meinungsäußerung die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen zum Umdenken bewegt. Sollte der Widerspruch, den der Klinik-Kardiologe Gerald Zinn gegen den Abzug der Herzambulanz eingereicht hat, abgelehnt werden, plant Uwe Schimmel weitere Aktionen. Dabei denkt er an Demonstrationen, Protestschreiben und eine große Podiumsdiskussion. Den Entscheidungsträgern müsse deutlich gemacht werden, dass bei der medizinischen Versorgung nicht das finanzielle Interesse der Ärzte ausschlaggebend sei, sondern das Wohl der Patienten.

Tatkräftige Unterstützung bekommt der Nordenhamer von der Industriegewerkschaft Metall in der Wesermarsch. Deren Arbeitskreis für außerbetriebliche Gewerkschaftsarbeit (AGA) setzt sich ebenfalls für den Erhalt der Herzambulanz im Nordenhamer Krankenhaus ein. AGA-Mitglied Walter Krenke, der wie Uwe Schimmel an einer Herzerkrankung leidet, hält die Anfahrt zu Fachärzten in Brake oder Bremerhaven für unzumutbar. Er sieht sich durch das Sozialgesetzbuch bestätigt und zitiert daraus eine Vorschrift zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Demnach muss gewährleistet sein, dass ein „entsprechender fachärztlicher Leistungsbringer innerhalb von 30 Minuten zu erreichen ist“. Mit keinem Wort, so Krenke, ist im Sozialgesetzbuch davon die Rede, dass sich diese 30 Minuten auf die Entfernung zwischen dem Krankenhaus und der nächsten Facharztpraxis beziehen – wie von der Kassenärztlichen Vereinigung dargestellt (die NWZ berichtete).


Nach Krenkes und Schimmels Überzeugung gelten die 30 Minuten für die Wegstrecke zwischen der Wohnung des Patienten und der Behandlungsstation. Krenke hat für die Fahrt mit dem Auto von seinem Zuhause in Blexen zum Facharzt in Brake exakt 38 Minuten benöigt. „Und die Leute aus Butjadingen brauchen noch länger“, sagt der Gewerkschafter.

Krenke will sich beim Deutschen Gewerkschaftsbund in Hannover dafür einsetzen, dass sich die Gewerkschaftsvertreter in den Verwaltungsräten der Krankenkassen mit dem Thema befassen. Davon erhofft er sich die Möglichkeit, auf den Berufungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen einwirken zu können.