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Gesundheit Mit neuer Routine zum Nichtraucher

Freya Adameck

Nordenham - „Nikotin geht ungehindert innerhalb von sieben Sekunden ins Gehirn“, sagt die Heilpraktikerin für Psychotherapie, Doris Gerlach aus Nordenham. „Jeder zweite Raucher ist suchtkrank“, weiß sie auch. Mit dem Rauchen aufzuhören – das ist der Wunsch und gute Vorsatz vieler. Kommt man damit zu Doris Gerlach in die Praxis, gibt es einen konkreten Plan, wie das gelingen soll.

Der Anfang der Therapie ist hart. „Die Klienten kommen zu mir, dürfen und sollen sogar in meiner Praxis rauchen. Dieses erste Treffen zieht sich über mehrere Stunden hin. Wenn sie also irgendwann notgedrungen vor meinen Augen zur Zigarette greifen, kommt die Konfrontation. Ich mache ihnen klar, dass sie abhängig sind“, erläutert die Heilpraktikerin.

Wenn die Raucher das überstanden haben und wiederkommen, wird ein Termin vereinbart, wann die Zigaretten weggelegt werden sollen. Bis auf die Stunde genau muss sich dann jeder selbst festlegen, wann das geschehen soll. Bedingung ist, dass dieser Zeitpunkt in den nächsten 14 Tagen liegt.

Die Psyche verstehen

Wann rauche ich? Wer ist dann bei mir? Was tue ich vor, während und nach dem Rauchen? Mit diesen Fragen geht Doris Gerlach nun mit ihren Patienten auf psychologischen Tauchkurs und holt alle Gewohnheiten an die Oberfläche. Da wird deutlich, wie man mit Stress oder Angst generell umgeht. Hier kann auch die Klopfakupressur hilfreich sein, mit der Verspannungen gelöst werden sollen. Das ist eine Therapie, auf die sich Doris Gerlach unter anderem spezialisiert hat. Ebenso können Hypnosetechniken, Entspannungsübungen und natürlich Gespräche helfen, Ängste zu minimieren.

Warum das alles wichtig ist? „Die meisten Raucher glauben, sie brauchen die Zigarette, um stressfrei zu sein, um Stress abzubauen. Aber die tatsächlichen Bedürfnisse liegen meist dahinter und werden von der Nikotinabhängigkeit nur verdeckt“, sagt die Nordenhamerin.


Manche Raucher sind der Meinung: Es bringt eh nichts, ich schaffe es sowieso nicht. „Das sind Rauchermythen“, sagt Doris Gerlach. Um diese kümmert sie sich in Phase drei der Aufklärungsphase. Hier werden diese Mythen, diese Denkfallen aus den Leuten gekitzelt und ihnen vor die Nase gehalten.

Ein konkretes Bild haben

Phase vier widmet Doris Gerlach der Motivation ihrer Patienten. Dazu bittet sie sie, ein Bild zu entwickeln, wie ihr Leben ohne Zigarette aussehen würde. „Es geht darum eine ganz konkrete Vorstellung davon zu haben, wie ein Leben ohne Zigaretten ist; wie sieht man dann aus, wie fühlt man sich dann?“

Sind die wahren Bedürfnisse und die Trigger (Auslöser), die zur Sucht führen erstmal bekannt, wird ganz konkret an der täglichen Routine geschraubt. „Raucher brauchen zum Beispiel das Gefühl, etwas zwischen den Zähnen zu haben. Als Tipp empfehle ich immer, das Rührstäbchen, das es beim Kaffee dazu gibt, zwischen die Lippen zu klemmen. Damit können die Patienten den Körper und im genaueren das Suchtgedächtnis austricksen.“

Jetzt kann ein Habit-Tracker (englisch für Gewohnheiten-Aufspürer) zum Einsatz kommen. Das können zum Beispiel unterstützende Apps sein. Der User (Benutzer) gibt dort seine momentanen Gewohnheiten ein und was geändert werden soll. Doris Gerlach selbst hat solche Tracker-Apps ausprobiert. „Und wenn es um die Mittagszeit wieder soweit ist, und man nervös wird, weil man auf etwas herumkauen möchte, dann ertönt ein ’Ping’ und die App fordert: Iss eine Pflaume“, schildert sie ein Beispiel von vielen. Sinn und Zweck dieser Apps ist es, besser aus dem üblichen Verhalten ausbrechen zu können und neue gesündere Gewohnheiten zu etablieren.

Zeit für Schöneres

Sich eine neue Routine suchen musste auch Claudia Redmer aus Nordenham. Seit einem Jahr ist sie Nichtraucherin. „Natürlich weiß der Kopf, wie ungesund das ist, was die Hand da macht. Versucht aufzuhören habe ich vorher aber trotzdem nie konkret.“ In der Naturheilpraxis Plümer-Rieke, in Westerstede, bekam Claudia Redmer Unterstützung. „Wenn man erstmal die Zigaretten los ist, hat man ein Zeitproblem“, sagt sie laut lachend, denn sie meint es positiv. „Man hat mehr Zeit und auch mehr Energie. Mein Mann, der mit mir zusammen aufhörte, hat spontan angefangen, das Bad zu renovieren.“

Vorher rauchte die Nordenhamerin 20 bis 30 Zigaretten am Tag und das Drehen der Zigaretten hatte sich fest in ihr Suchtgedächtnis verankert. Sie kann Doris Gerlachs Fokus bestätigen: Es ist nicht das Verlangen nach Zigaretten an sich, welches an das Rauchen fesselt, sondern die Macht der Gewohnheit.

„Es lohnt sich immer, mit dem Rauchen aufzuhören“, lautet Claudia Redmers Fazit. Die 52-Jährige hat vier Kinder von denen keines raucht. Das freut sie sehr.

Gute Vorsätze hält Heilpraktikerin Doris Gerlach prinzipiell für eine gute Strategie, solange sie konkret sind, wohlüberlegt und nicht nur spontan entstehen. Mit einem Plan, wann es losgeht und wie die Belohnung aussieht kann es jeder schaffen, meint sie.

Klopfakupressur löst Verspannungen in den Energiezentren des Körpers. Verspannungen können durch Körpergewohnheiten wie zum Beispiel krumm dasitzen oder Augen zusammen kneifen aufkommen. Gefühle beeinflussen auch unser Körperverhalten: So wie wir uns fühlen, so verhalten wir uns auch.

Mit dem Zeige- und Mittelfinger 20 bis 30 Mal leicht klopfen.

Klopfpunkte: Schläfen, Solarplexus, Brustbein, Bereich zwischen Oberlippe und Nase, zwischen den Augenbrauen.

Mit dem Klopfen holt man die Konzentration zurück in den Körper und in die Gegenwart. Man fokussiert sich auf sich selbst und lässt das Alltagsgrübeln hinter sich.

Tipp: Sich an einen ruhigen Ort begeben und nicht zu schnell klopfen.

Die hkk-Krankenkasse erstattet Kurse zu Suchtprävention, die bis zu 100 Euro kosten, zu 80 Prozent zurück.Maximal zwei Kurse im Jahr. Zurzeit finden allerdings keine Kurse in der Nähe statt die diesen Anforderungen entsprechen.

Als Alternative kann man an einem kostenfreien Online-Programm teilnehmen. E-Coach Rauchfrei heißt das Programm. Es enthält Motivationstests, ein Ersparnisrechner sowie ein Forum in dem sich Gleichgesinnte austauschen können. Es wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Verfügung gestellt.

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