NORDENHAM - Wenn die Industriegewerkschaft Metall Wesermarsch am Donnerstag ihr 100-jähriges Bestehen in der Friedeburg feiert, wird der 1. Bevollmächtigte Martin Schindler die Gäste begrüßen. Er ist seit Gründung der Gewerkschaft im Jahr 1909 – damals noch unter dem Namen Deutscher Metallarbeiterverein Einswarden-Nordenham – der fünfte Amtsträger. Der 50-Jährige ist indes der erste Nordenhamer, der an der Spitze der IG Metall in der Wesermarsch steht (die NWZ berichtete).
Ab 1979 bei Felten
Im Jahr 1995 trat Martin Schindler die Nachfolge von Walter Krenke als 1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer an. Als gelernter Einzelhandelskaufmann hatte er bereits mit 19 Jahren die Filiale einer großen Einzelhandelskette in Wildeshausen geleitet, ehe er 1979 zu Felten & Guilleaume wechselte. Er engagierte sich fortan gewerkschaftlich und war von 1980 bis 1984 Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei F & G. Von 1980 bis 1985 hatte er den Vorsitz des Ortsjugendausschusses der IG Metall Nordenham inne. Nach zahlreichen weiteren Stationen wurde er 1992 Gewerkschaftssekretär der IG Metall Nordenham. 2008 erfolgte seine Wiederwahl zum 1. Bevollmächtigten.
Der Start als Gewerkschaftschef war äußerst turbulent. In seine Amtszeit fielen bislang unter anderem die Abwehr des Dolores-Programms bei Airbus (1995 bis 1997), der Konkurs der Elsflether Werft (1995), der Verkauf von Felten & Guilleaume an Moeller (1998) sowie die Schließung der Moeller Schutzschalter GmbH (2002) mit allen Konsequenzen für die Mitarbeiter. Auch die Gründung der 1. Beschäftigungs- und Transfergesellschaft in Nordenham (2002) und Tarifverträge für Leiharbeiter (2003) sowie die Ausgliederung der Airbusstandorte Augsburg, Varel und Nordenham waren Schwerpunkt-Themen seiner gewerkschaftlichen Arbeit.
Nach den Worten von Martin Schindler sind sich viele Menschen des politischen und gesellschaftlichen Stellenwerts der Gewerkschaften nicht bewusst. So handelten die Gewerkschaften die Tarifverträge aus, hätten für eine geregelte Arbeitszeit, Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestritten. Der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sei 1956 ein 16-wöchiger Arbeitskampf vorausgegangen.
Schutz vor Willkür
Ein wichtiger Aspekt sind die Tarifverträge, die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter aushandeln. Sie schützen laut Martin Schindler vor Willkür. Ziel der Gewerkschaften sei es, die tarifpolitischen Erfolge für die Zukunft abzusichern. Die Mitbestimmung sei dabei ein weiterer wichtiger Aspekt. Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise mache deutlich, dass das Management der Firmen stärker als bisher kontrolliert werden müsse.
Für das kommende Jahr wird sich die Gewerkschaft laut Martin Schindler verstärkt für einen wesentlichen Punkt einsetzen: keine Entlassungen. „Alles andere hat keinen Wert, wenn wir das nicht hinbekommen“, sagt der 1. Bevollmächtigte.
Huber spricht
