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GEWERKSCHAFTEN „Aufsässige“ bilden eigenen Ortsverband

ULRICH SCHLÜTER

NORDENHAM - Das genaue Gründungsdatum des Deutschen Metallarbeitervereins Einswarden-Nordenham, aus dem später die IG Metall Wesermarsch hervorging, hat Edeltraut Spreen noch nicht ermitteln können. Es müsse irgendwann im Jahr 1909 gewesen sein, sagt sie. Sei’s drum: Am Donnerstag, 29. Oktober, soll das 100-jährige Bestehen der IG Metall gefeiert werden. Der Bundesvorsitzende Berthold Huber hat sein Kommen zugesagt.

Die Recherche ist aufwendig und mühsam, denn die meisten Dokumente aus der Gründungsphase der Gewerkschaft sind laut Edeltraut Spreen bislang nicht aufzufinden. Fest steht nach ihren Worten, dass sich das erste Gewerkschaftsbüro an der Viktoriastraße 8 befand. Die Verwaltung in Bremerhaven habe die „Aufsässigen in Nordenham“ nicht länger betreuen wollen. Daraufhin habe sich eine eigene Ortsverwaltung gebildet.

Arbeiter- und Soldatenräte

Firmen wie die Norddeutschen Seekabelwerke, die Frerichs-Werft, das Metallwerk und die Hochseefischereigesellschaft Nordsee produzierten in Nordenham. Auch nach dem Ersten Weltkrieg waren bei ihnen viele Arbeiter in Lohn und Brot. Es waren die Vertreter eben dieser Arbeiter und Soldatenräte, die für den 8. November 1918 zu einer Volksversammlung in Nordenham aufgerufen hatten. In der Stadt kamen nach den Unterlagen von Edeltraut Spreen rund 1200 Menschen zusammen.

Unter den Rednern befand sich auch Alfred Lorenzen, 1. Bevollmächtigter der Gewerkschaft. Der Chef des sechsköpfigen Arbeiterrates habe sich über den unblutigen Umsturz in Nordenham gefreut, merkt die Gewerkschafts-Sekretärin an, die die Geschichte für das Jubiläum aufarbeitet. Den damals geforderten Acht-Stunden-Tag hätten die Werksdirektoren sofort zugesagt.


Im Jahr 1913 war der Matallarbeiter-Verband in das Haus an der Schulstraße 10 (Kaufhaus Hülzer) umgezogen. 20 Jahre später stürmten die Nationalsozialisten das Büro und verschleppten Alfred Lorenzen. Der SPD-Ratsherr überlebte das Konzentrationslager. Am Neuaufbau nach 1945 beteiligte er sich nach den Informationen der Gewerkschafterin allerdings nicht mehr.

Bei der Durchsicht und Aufarbeitung der Dokumente hat Edeltraut Spreen die Jahre bis 1970 schon durchforstet. Die Namen der Bevollmächtigten Hans Ambs und Günter Scholz sind vielen noch ein Begriff. Acht Jahre lang, von 1987 bis 1995, führte Walter Krenke die Gewerkschaft. Er starb im Juni 2009. Seit 1995 führt Martin Schindler die Geschäfte. Er sei wohl der erste Nordenhamer an der Spitze der IG Metall Wesermarsch, vermutet die Chronistin. Sowohl Scholz als auch Krenke stammten aus Bremen, Ambs aus Eckernförde.

Chronik zum Jubiläum

Edeltraut Spreen hat noch viel Arbeit vor sich. Es gilt, noch unzählige Fotos, Akten und Schriftstücke zu sichten. Zur Feier im Oktober soll eine kurze Chronik erscheinen. Das vorhandene Material reicht laut Edeltraut Spreen für ein umfangreiches Buch über die Geschichte der IG Metall in der Wesermarsch.

Der Erste Vorsitzende der IG Metall kommt zum Jubiläum

Der Erste Vorsitzende

der IG Metall, Berthold Huber, hat sein Kommen als Festredner für den 29. Oktober zugesagt. Beginn ist um 18 Uhr in der Stadthalle Friedeburg anlässlich des 100-jährigen Bestehens der IG Metall Wesermarsch. An diesem Tag sollen auch treue Mitglieder geehrt werden.

Die größte deutsche

Gewerkschaft hat den jahrelangen Mitgliederschwund fast gestoppt. Allerdings konnten die knapp 120000 Neueintritte im Jahr 2008 die Austritte, Streichungen und Todesfälle nicht ganz ausgleichen. Die IG Metall hat jetzt 2,3 Millionen Mitglieder.

Der IG Metall

in der Wesermarsch gehören rund 5300 Mitglieder an. 1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer ist Martin Schindler. Als 2. Bevollmächtigter steht ihm Michael Eilers zur Seite.
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