NORDENHAM - Hasensilvester in der Wesermarsch: Dazu gibt es keine feste Tradition. So ist es auch nicht wie andernorts üblich, einen Hasen für den Jagdvorsteher zu schießen. Es wird auch nicht groß gefeiert und dazu der zuletzt erlegte Feldhase gegessen. Wohl aber finden in vielen Jagdrevieren gemütliche Treffen bei Kaffee und Kuchen statt, mit denen das Jagdjahr ausklingt.

In Niedersachsen endet jeweils am 15. Januar die Jagdzeit auf Hasen. Dann ist Hasensilvester. Eine achteinhalbmonatige Schonzeit zwecks Paarung beginnt. Viele Reviere schließen die Jagd jedoch bereits zum 31. Dezember ab. Das ist auch in der Wesermarsch so.

Anschließend gibt es bis 15. Januar hier und dort nur noch eine Jagd im kleinen Kreis, aber keine Gesellschaftsjagden (Treibjagden) mehr wie vor Weihnachten mit 15 bis 20 Jägern.

Das erfuhr die NWZ  auf Anfrage von Kreisjägermeister Eckard Busch aus Abbehausen und Jörg Hullmann aus Atens, der den Hegering Nordenham leitet.

Jagdsignal


Dieses Jagdsignal steht für Hasensilvester: Jagd vorbei und Halali. In der Wesermarsch wird damit nicht nur das Ende der Jagdzeit auf Feldhasen angesagt, sondern das Ende der gesamten Niederwildjagd (neben Hasen auch Enten, Gänse und Fasanen).

Noch bis Ende Januar wird Rehwild zur Strecke gebracht. Der Fuchs sowie Tauben und Krähen werden noch bis Ende Februar bejagt. Die Schonzeiten sind unterschiedlich.

Die Hauptjagdzeit für Niederwild und alle weiteren Wildarten ist in der Wesermarsch jeweils vom 1. Oktober bis Weihnachten.

Wieviele Feldhasen zur Strecke gebracht werden sollen, entscheidet sich bei Zählungen des Besatzes. Das geschieht jeweils im Oktober/November mit Hilfe von Scheinwerfern, die 200 Meter ins Land leuchten können.

Zum Beispiel sind im vergangenen Jahr im Revier Abbehausen II insgesamt 46 Feldhasen gezählt worden. Auf eine Treibjagd wurde verzichtet. In kleinen ausgesuchten Bereichen sind zwölf Hasen erlegt worden – sogenannte Küchenhasen, die ausschließlich für den eigenen Verzehr der Jäger bestimmt sind. Nur etwa 20 Prozent der Fläche des Reviers sind bejagt worden. „Wir sind wie in den Vorjahren sehr schonend vorgegangen“, berichtet Eckard Busch.

Im gesamten Landkreis sind im Jagdjahr 2009/10 ebenso wie 2008/09 insgesamt 3800 Feldhasen zur Strecke gebracht worden. Die Wesermarsch gehört zu den hasenreichen Gebieten in Niedersachsen.

Auch der Hegering Nordenham praktiziert eine sehr schonende Bejagung. Hinzu kommt hier: In den Revieren im Stadtgebiet und um die Stadt herum sind die Hasenbesätze niedriger als in ländlichen Revieren.

Starke Feinde

Dem Hasen setzen in Nordenham seine Feinde stark zu – vor allem der Fuchs, aber auch Marder, Fischreiher und Krähen.

Die intensive Bejagung der Füchse zahlt sich laut Hegeringleiter Jörg Hullmann offenbar aus. Denn 2009 sind in Nordenham 49 Füchse zur Strecke gebracht worden und 2010 waren es vermutlich nicht mehr als 25.

Geholfen hat bei der gezielten Bejagung der Füchse vor allem das Anlegen von Kunstbauten, in denen Jagdhunde (so genannte Bauhunde) sehr gut agieren können.

Nicht nur zum eigenen Verzehr verwenden die Jäger in der Wesermarsch die zur Strecke gebrachten Hasen. Nach wie vor gibt es eine rege Nachfrage von Privatpersonen, berichten Kreisjägermeister Eckard Busch aus Abbehausen und der Nordenhamer Hegeringleiter Jörg Hullmann. Voraussetzung sei aber ein küchenfertiger Verkauf.

Wie bei allen Wildarten wird das fettarme Fleisch geschätzt. Hasenfleisch gilt als recht schmackhaft. Hasenrücken ist ein Begriff. Auch in vielen Familien ist ein Hasenbraten nach wie vor gerne gesehen.

Wie lecker das Wildgericht ist, hänge allerdings häufig von der Zubereitung ab, sagt Eckard Busch. „Viele scheuen sich auch davor, weil sie nicht wissen, wie es geht“, fügt Jörg Hullmann hinzu. Für beide Jäger besteht aber kein Zweifel: Richtig zubereitet ist ein Hasengericht ein sehr schmackhaftes Essen.