NORDENHAM - Die Alarmmeldung aus Brüssel nimmt Michael Feldmann gelassen zur Kenntnis: „Auf uns trifft das nicht zu“, sagt der Geschäftsführer der Wesermarsch-Klinik. Die Kritik des EU-Gesundheitskommissars John Dalli, dass die hygienischen Zustände in vielen Hospitälern unzureichend seien und eine Gefahr für die Patienten darstellten, gilt laut Michael Feldmann nicht für das Nordenhamer Krankenhaus. „Beim Thema Hygiene sind wir sehr sensibilisiert“, sagt der Klinik-Chef und verweist auf vielfältige Maßnahmen, die zur Bekämpfung von Krankenhauskeimen ergriffen worden sind.
Keime an den Händen
Bereits seit Januar 2008 beteiligt sich das Nordenhamer Krankenhaus an der bundesweiten Aktion „Saubere Hände“, die auf Anregung der Weltgesundheitsorganisation WHO entstanden ist. Dass keimfreie Hände äußert wichtig für die Klinikhygiene sind, belegt die Statistik: „Von den etwa 500 000 Fällen an Krankenhausinfektionen, die im Jahr in Deutschland auftreten, sind 20 bis 30 Prozent durch eine verbesserte Händedesinfektion vermeidbar“, sagt Michael Feldmann.
Bei Patienten, die sich mit Krankenhauskeimen anstecken, können unter anderem Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Blutvergiftungen auftreten. Langwierige Erkrankungen oder sogar der Tod können die Folgen sein. Als besonders gefährlich gilt der Methicilin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), gegen den kein Antibiotikum ankommt.
Die Aktion „Saubere Hände“ hat sich laut Michael Feldmann bereits bewährt. Durch Schulungen der Krankenhausmitarbeiter sei das Bewusstsein für eine intensive Reinigung und Desinfektion der Hände geschärft worden. In allen Patientenzimmern und Fluren befänden sich mittlerweile Desinfektionsmittelspender, zu deren Benutzung auch die Besucher angehalten würden.
Wie ernst die Klinikleitung das Thema Hygiene nimmt, lässt sich daran erkennen, dass im vergangenen Jahr alle Ärzte und Pfleger zu Weihnachten Ansteckuhren geschenkt bekommen haben. Damit soll erreicht werden, dass das Personal beim Umgang mit den Patienten keine Armbanduhren trägt. Denn unter Armbändern, Ringen oder anderen Schmuckgegenständen können sich Bakterien verstecken.
Besucher aufklären
Auch die Besucher spielen eine große Rolle, wenn es um die Hygiene im Krankenzimmer geht. Zweimal im Jahr – im Frühling und im Herbst – veranstaltet die Wesermarsch-Klinik einen öffentlichen Informationstag, um auf das richtige Verhalten hinzuweisen.
Zudem verfügt die Wesermarsch-Klinik bald über eine eigene Hygienefachkraft. Petra Sichau absolviert zurzeit eine entsprechende Ausbildung, die sie in diesem Jahr abschließen wird. Bei Mitarbeiterschulungen setzt sie eine Schwarzlichtlampe ein, die jede Lücke in der Desinfektionsschicht auf den Händen aufzeigt.
Nach Angaben des Geschäftsführers haben die verschiedenen Maßnahmen bewirkt, dass die Wesermarsch-Klinik mit ihrem Hygienestandard im Vergleich zu anderen Häusern „sehr gut“ dasteht.
Seit einem Jahr werde das Aufkommen von Krankheitskeimen erfasst und unter fachlicher Begleitung durch das Hygieneinstitut Oldenburg bewertet. Die erste Vergleichsbetrachtung habe die positive Entwicklung des Nordenhamer Krankenhauses in Sachen Hygiene bestätigt. Dabei komme der Wesermarsch-Klinik zugute, dass die Rhön-Klinik AG für alle ihre Standorte einheitliche Vorgaben erlassen hat, die unter wissenschaftlicher Aufsicht stehen und die Richtlinien sowohl des Bundesgesundheitsministeriums als auch der WHO erfüllen.
