NORDENHAM - Eine Straße in Nordenham ist nach Adolf Vinnen (1868-1926) benannt. Einigen Leuten ist vielleicht noch bewusst, wer sich hinter diesem Namen verbirgt. Es handelt sich um einen Bremer Segelschiffsreeder, der zahlreiche Ländereien in und um Nordenham besaß und 1896 die größte deutsche Fischdampfer-Reederei Nordsee mitbegründete. Der Heimathafen der Fangflotte war Nordenham.

Start mit sieben Schiffen

Wo sich heute große Lagerflächen und auch Hallen der Rhenus Midgard befinden, erstreckten sich vor 100 Jahren ein 1100 Meter langer Pier, Gleisanlagen, Lagerhallen und ein Hafenbecken. Der erste Spatenstich für den neuen Hafen war am 17. Juni 1896 erfolgt. Mit sieben Fischdampfern startete die Fangflotte. Der Fischdampfer „Berlin“ löschte erstmals am 20. April 1897 eine Ladung Heringe in Nordenham. Das am 23. April 1896 in Bremen gegründete Unternehmen nahm in den Folgejahren einen rasanten Aufstieg und schrieb Geschichte. Die Nordsee war die einzige deutsche Hochseefischerei, die einen eigenen Hafen benutzte.

Es waren damals gute Zeiten für die Hochseefischerei. Und die Nordsee war mit einer Pionierleistung richtungsweisend: Das Unternehmen verband Fischfang und Fischhandel, zu denen später die Verarbeitung und die Konservierung hinzukamen, mit dem Ziel, frischen Fisch auf dem schnellsten Weg im Binnenland anzubieten. Die Transportkette reichte daher vom Fangschiff bis zur Ladentheke. Noch im Gründungsjahr wurde die erste Verkaufsstelle der Nordsee in Bremen am Bahnhof Neustadt eröffnet.

Den Grundstein für die moderne Hochseefischerei unter deutscher Flagge hatte bereits der Geestemünder Fischhändlers Friedrich Busse gelegt, der 1884 den ersten Fischdampfer in Auftrag gegeben hatte. Das Schiff „Sagitta“, nach englischen Vorbildern gebaut, lief 1885 zur ersten Fangfahrt aus. Und auch die Nordsee als junges und innovatives Unternehmen setzte auf die Trawler. Technische Neuerungen wurden konsequent umgesetzt.


In Nordenham war ein moderner Betrieb mit Lager, Verwaltungsgebäuden, Zimmerei, Reparaturwerkstätten, Netzboden, einem Eiswerk, einer Räucherei und Marinieranstalt entstanden. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Adolf Vinnen hatte mit der oldenburgischen Regierung einen langfristigen Vertrag über die wirtschaftliche Nutzung des Geländes abgeschlossen. Nach dem großen Brand im Frühjahr 1905, der einen Großteil des Betriebes vernichtete, wurden die neuen Gebäude und Verarbeitungsbetriebe aus Stahl und Beton errichtet. Der Wiederaufbau dauerte zwei Jahre.

Umzug nach Wesermünde

Die Zeit in Nordenham währte noch drei Jahrzehnte. Im Jahr 1927 hatte Adolf Vinnen den Pachtvertrag für das Gelände in einen Kaufvertrag umwandeln können. Doch die Einführung von Auktionen für den Verkauf sämtlicher Fänge in Wesermünde, Cuxhaven und Altona Ende der 20er-Jahre läutete das Aus des Fischereihafens in Nordenham ein. Zum 1. August 1934 siedelte die Nordsee nach Wesermünde über. Der Hafen verlandete.

Seit 2005 ist der deutsche Unternehmer Heiner Kamps Eigentümer der Nordsee-Gruppe. Der 54-Jährige ist vor allem durch die von ihm aufgebaute größte deutsche Bäckereikette Kamps bekannt geworden.