NORDENHAM - Die Europäische Union macht’s möglich: Mit Zuschüssen der Staatengemeinschaft kann die Stadt Nordenham endlich den Kampf gegen den Schlick am Weserstrand aufnehmen. Die EU hat die Unterweserstadt in das Förderprogramm Interreg IV B aufgenommen und stellt ihr 220 000 Euro für nachhaltige Küstenschutzmaßnahmen zur Verfügung. Dazu passt das Nordenhamer Strandprojekt, bei dem auf einem 440 Meter langen Uferabschnitt die Schlickmassen abgetragen und durch Sand ersetzt werden.
Klimawandel ist Thema
In ihrem jetzt bewilligten Aufnahmeantrag hat die Stadt Nordenham als zweites Vorhaben eine Untersuchung aufgeführt, die Möglichkeiten zur gewerblichen Nutzung von Außendeichsflächen aufzeigen soll. Dabei steht vor allem das Umfeld des RoRo-Anlegers in Einswarden im Blickpunkt. Nach Angaben des Dezernenten für Stadt- und Wirtschaftsentwicklung, Peter Kania, soll unter anderem geprüft werden, ob dort zusätzliche Ansiedlungsflächen durch Aufspülungen zu gewinnen sind. In diesem Zusammenhang gilt es auch zu klären, wie sich der Klimawandel und höher auflaufende Fluten auf die Nutzung des Vordeichlandes auswirken.
Das mit Interreg-Geldern geförderte EU-Projekt trägt den Namen SUSCOD (Sustainable Coastal Development) und steht für eine nachhaltige Küstenentwicklung. Neben der Stadt Nordenham sind an SUSCOD sechs Partner aus Schottland, Belgien, Dänemark, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden beteiligt. Die Auftaktkonferenz fand im belgischen Oostende statt; das nächste Treffen der SUSCOD-Partner ist für März 2010 in Nordenham angesetzt.
Zu den Zuschüssen aus der Europakasse muss die Stadt Nordenham einen Anteil in gleicher Höhe beisteuern, so dass insgesamt 440 000 Euro zur Verfügung stehen.
Da ein recht langer Planungsvorlauf erforderlich ist, geht Peter Kania davon aus, dass die Maßnahmen am Weserstrand wohl erst 2011 umgesetzt werden. Für die Beseitigung der teilweise vier Meter hohen Schlickablagerungen und die anschließende Uferprofilierung mit Sand rechnet er mit Kosten in Höhe von 120 000 bis 150 000 Euro. Den Sand will das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven kostenlos zur Verfügung stellen (die NWZ berichtete). Das Versuchsfeld wird auf dem Strandabschnitt in Höhe der Weserterrassen angelegt. Fachleute gehen davon aus, dass künftige Schlickablagerungen das heutige Höhenniveau nicht mehr übersteigen, weil eine Sättigung erreicht ist.
Buhnenöffnung prüfen
Allerdings gibt es auch Überlegungen, eine Buhne zu an der Strandseite kappen, um einen Durchspüleffekt zu bewirken, der die Schlicksedimente vom Ufer fernhält. Der Speditionsunternehmer Wilhelm Stührenberg hat sich bereit erklärt, für eine probeweise Buhnenöffnung die Kosten zu übernehmen (die NWZ berichtete). Im Zuge der SUSCOD-Projektplanung soll jetzt geprüft werden, ob dieser Test zusätzlich stattfinden kann.
