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Jugendhilfe Junge Straftäter bekommen faire Chance

Horst Lohe

NORDENHAM - Er ist bereits mit Jugendstrafen belegt und hat ein Alkohol- und Drogenproblem. Das Jugendschöffengericht hält drei neue Straftaten für erwiesen: zwei vorsätzliche Körperverletzungen und einen Diebstahl. Zugleich stellt das Gericht im September fest: Der inzwischen 22 Jahre alte Nordenhamer braucht dringend weitere Hilfe. Deshalb erteilt das Gericht Weisungen. Der junge Mann muss Kontakt zur Alkohol- und Drogenberatungsstelle Rose 12 aufnehmen, einen Facharzt aufsuchen und für drei Monate an einer Betreuung der Jugendhilfe teilnehmen. Sollte sich der 22-Jährige nicht daran halten, kommt er in Dauerarrest. „Er ist auf einem guten Weg“ sagt heute, drei Monate später, Sozialarbeiter Volker Garms, der das Betreuungszentrum des Vereins Jugendhilfe in Nordenham an der Blexersander Straße leitet.

Auch der 22-Jährige spricht von guten Perspektiven. Er ist einer von 40 Personen aus dem Amtsgerichtsbezirk Nordenham (Stadt Nordenham und Gemeinden Butjadingen und Stadland), die in diesem Jahr von der Nordenhamer Einrichtung der Jugendgerichtshilfe betreut worden sind oder noch (zurzeit sind es fünf) betreut werden.

Entweder kommen sie wegen Betreuungsweisungen des Gerichts für drei bis sechs Monate oder weil sie laut Gerichtsurteil gemeinnützige Arbeitsstunden absolvieren müssen (in der Regel zwischen 60 bis 80 Stunden).

2009 betreute die Jugendhilfe 55 Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 17 bis 21 Jahren – 15 Prozent waren Mädchen. 2008 waren es rund 50 Jugendliche. Mit 40 in diesem Jahr ist – wie überall im Norden Niedersachsens – ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Volker Garms nimmt an, dass dies Folge der demografischen Entwicklung ist und (leider) kein Anzeichen dafür, dass der Anteil straffällig werdender Jugendlicher rückläufig ist.

Die Ursache für Jugendkriminalität sieht der Sozialarbeiter in einer durch Medien verbreiteten permanenten Reizüberflutung in der Gesellschaft. „Junge Leute wollen kaufen, was sie gar nicht finanzieren können.“


Ellbogengesellschaft

Ähnlich sieht das Gerd Grösch, ein Arbeitssuchender, der als Hilfskraft in der Jugendhilfe tätig ist: „Kinder und Jugendliche sehen, dass Gleichaltrige sich viele Dinge kaufen können und damit Anerkennung finden. Also wollen sie das auch. Eine große Rolle spielen auch familiäre Gewalt und Verwahrlosung. Und der Trend zur Ellbogengesellschaft wächst.“

Nur einer der 40 in diesem Jahr betreuten Jugendlichen hat Auflagen nicht erfüllt und ist erneut straffällig geworden. Im Vorjahr waren es zwei.

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur ist es in diesem Jahr gelungen, für drei Jugendliche eine Ausbildungsstelle zu finden sowie für zwei ein Praktikum mit Aussicht auf Ausbildung. „Das hängt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung zusammen. Im Vorjahr haben wir niemanden unterbringen können“, sagt Volker Garms.

An einer Betreuung der Jugendhilfe teilnehmen, das heißt: Erst einmal einen geregelten Tagesablauf einüben, lernen pünktlich zu sein und sich an Absprachen zu halten. Wer keinen Schulabschluss hat, bekommt Hilfestellung für den Besuch einer Abendschule. Bei der Eingliederung in das Berufsleben helfen Fördermaßnahmen der Arbeitsagentur. Bei Suchtproblemen wird Kontakt mit der im Hause an der Blexersander Straße ansässigen Beratungsstelle Rose 12 aufgenommen.

Möbeldienst

Arbeitsmöglichkeiten bietet die Jugendhilfe in der Unterhaltung der ehemaligen Volksschule Blexersande und in ihrer Holzwerkstatt sowie dem von Mitarbeiterin Kerstin Barth organisierten Möbeldienst. Bürger spenden Möbel, die teilweise repariert oder aufgearbeitet und dann gegen ein geringes Entgelt verkauft und auch geliefert werden.

einsperren“ heißt das Motto der Arbeit des vor 27 Jahren in Nordenham gegründeten Vereins. Das Ziel: Die Jugendlichen sollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. „Ich bereite ihnen den Weg. Gehen müssen sie diesen Weg selbst“, sagt Sozialarbeiter Volker Garms. Wichtig sei, für die Jugendlichen regelmäßig da zu sein, sie zu respektieren, sich für sie Zeit zu nehmen. Mitarbeiter Gerd Grösch ergänzt: „Es geht darum, dass die Jugendlichen Selbstwertgefühl entwickeln und festigen können.“

fasst zusammen: „Auf der einen Seite geht es darum, straffällig gewordenen Jugendlichen deutlich zu machen, dass sie auf dem falschen Weg sind und dass sie mitarbeiten müssen. Auf der anderen Seite muss jeder eine reale Chance bekommen. Für den einen oder anderen kann es ein längerer Weg werden, der zusätzliche Hilfestellungen erforderlich macht.“

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