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Kirche Durch Gemeinschaft mehr erreichen

Rolf Bultmann

Nordenham - „Wir können von den Synergieeffekten in der Wirtschaft lernen: Gemeinsam schafft man mehr als einer allein“, sagte Pastorin Christiane Wittrock. Damit das klappt, müsse man aber voneinander wissen. Dazu müsse Zeit und Raum geschaffen werden, um sich zu treffen. Gelegenheit dazu bietet der traditionelle ökumenische Neujahrsempfang der Kirchengemeinden in der Unterweserstadt, der nun im Martin-Luther-Haus stattfand.

Gespräche und Musik

Rund 80 Vertreter der Kirchengemeinden sowie aus Verwaltungen, Politik, Wirtschaft, Verbänden und Vereinen waren der Einladung zum diesmal von der evangelischen Kirchengemeinde Nordenham organisierten Veranstaltung gefolgt. Neben Grußworten und vielen Gesprächen gab es auch musikalische Unterhaltung durch ein Trio mit Natascha und Pasco Schulz sowie Michael Feldhusen.

„Ich bin froh, in einer Stadt zu leben, in der ich mehr helfen kann, aber auch vielen Menschen geholfen wird“, machte Christiane Wittrock deutlich. Sie wies dabei auf beispielhafte Einrichtungen wie die Nordenhamer Tafel, die Hospizhilfe und die Wohnungshilfe, aber auch auf die Polizei hin.

„Du sollst ein Segen sein“, ein Satz, mit dem in der Bibel Abraham von Gott aufgefordert wird, seine Heimat zu verlassen und in ein neues Land zu ziehen, machte Pfarrer Karl Jasbinschek von der katholischen St.-Willehad-Gemeinde zum Thema seiner kurzen Andacht während des ökumenischen Neujahrsempfang. Dies sei aber nicht nur eine Aufgabe für, sondern auch eine Zusage an Abraham gewesen.

Ein Segen zu sein, bedeute den Menschen Gutes zuzusprechen und sie zu einem guten Ergebnis zu führen. Das sei erreicht worden, wenn es den Menschen gut tut, erläuterte der katholische Geistliche. Das gelte auch für Behörden, Verwaltungen, Verbände und andere gesellschaftliche Organisationen, wobei Chancengleichheit und Gerechtigkeit eine bedeutende Rolle spielen sollten.


Ein Segen sei mehr als Gewinnmaximierung und Stärkung der Anteile. Dazu gehöre auch, den Schwachen in der Gesellschaft und den Flüchtlingen zu helfen, sagte Karl Jasbinschek, der seine Andacht in einem immer noch aktuellen irischen Segen aus dem Jahre 1692 beendete.

Die Worte machten sehr nachdenklich, stellte Bürgermeister Carsten Seyfahrt in seinem Grußwort fest, an dessen Anfang er ein jedoch sehr profanes Thema stellte. Die finanzielle Lage von Nordenham und vieler anderer Städte habe sich deutlich verbessert. Dies biete die Chance zur Konsolidierung und zur Bildung von Rücklagen. „Wir sollten das Geld aber nicht rauswerfen, sondern mit Verstand ausgeben“, appellierte das Stadtoberhaupt.

Großer Investitionsstau

In den vergangenen Jahren sei aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung von Bund und Land einiges kaputt gespart worden, wodurch ein erheblicher Investitionsstau entstanden sei. Den werde man trotz der jetzt besseren finanziellen Lage aber nicht von heute auf morgen abbauen können, dazu fehlten in den Verwaltungen die erforderlichen personellen Kapazitäten, warb Carsten Seyfarth um Verständnis für so manche Verzögerung bei der Realisierung von Vorhaben.

„Nordenham ist eine lebenswerte Stadt. Um die Themen müssen wir hart ringen und diskutieren. Dabei müssen wir aber alle das gleiche Ziel, das beste für die Stadt zu wollen, vor Auge haben“, mahnte der Bürgermeister. In vielen Bereichen werde auch von den Ehrenamtlichen aber bereits eine großartige Arbeit geleistet, lobte er.

Seit dem jetzt 111-jährigen Bestehen der Stadt habe es immer Zuwanderungen in Nordenham gegeben. „Wir waren und bleiben eine weltoffene Stadt, in der Ausländerhass und Intoleranz keinen Platz haben“, sagte Carsten Seyfarth. Er appellierte an die Bürger, durch ihren Urnengang bei der Europawahl am 26. Mai dafür zu sorgen, denjenigen, die Europa nicht wollen und auf Spaltung setzen, die rote Karte zu zeigen. Europa, das größte Friedensprojekt, müsse zwar reformiert, dürfe aber nicht in Frage gestellt werden.

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