Nordenham - Wofür sind eigentlich Lichter im Wasser gut? Dieser und anderen Fragen gingen am Mittwoch die Mädchen und Jungen in der Vorlesung der Reihe Kinder wissen mehr (Kiwi) auf den Grund. Mit dem Referenten Gero Klemke hatten die Kids einen Experten vor sich. 25 Jahre fuhr er als Kapitän zur See, erst bei der Marine, dann bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Anschließend war Gero Klemke neun Jahre als Museumspädagoge im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven tätig.
Die Lichter auf See, die sogenannten Leuchtfeuer, sollen natürlich den Schiffen als Orientierung dienen, das wussten auch die Kiwi-Kinder. Der älteste Leuchtturm Norddeutschlands, so berichtete Gero Klemke, steht auf Neuwerk. In einer großen Wanne wurde früher in den Leuchttürmen Feuergemacht. Rund 100 Holzscheite so groß wie Bahnschwellen wurden damals in einer Nacht verbrannt,erzählte der ehemalige Kapitän.
Licht geht nie ganz aus
Entlang der Nordseeküste gibt es natürlich zig verschiedene Leuchtfeuer. Woher also wussten die Seefahrer welchen Leuchtturm in der Nordsee sie vor sich hatten? Für die Kiwi-Kids ganz klar, die Leuchttürme blinken unterschiedlich. Jeder Leuchtturm hat seine ganz eigene Taktung, sagte Gero Klemke. Dabei geht das Licht eines Leuchtfeuers allerdings nie ganz aus. Sondern es wird mit Spiegeln abgedeckt, die die Verdunkelung verursachen. „Die Taktung eines Leuchtturms ist also wie ein Fingerabdruck“, sagte Gero Klemke.
Neben Leuchtfeuern gibt es gibt es auch Licht an den Fahrwassertonnen. Diese haben entlang eines Flusses ebenfalls ihre eigene Taktung. Der Takt des Blinklichts der Tonnen entlang der Weser unterscheidet sich also von dem der Tonnen entlang der Elbe, berichtete der Kapitän im Ruhestand.
Die Tonnen leuchten in rot und grün. Rot steht für Backbord, also links. Wenn die Schiffe früher angetrieben vom Wind über das Meer segelten, lagen sie immer ein wenig schräg im Wasser, erzählte der 65-Jährige. Auf der dem Wasser zugeneigten Seite wurde die Feuerstelle zum Kochen errichtet, sagte Gero Klemke, denn dort konnten die Seeleute – wenn nötig – Die Schale mit dem Feuer schnell über Bord werfen.
Auch heute noch bedeutet das Kommando backen und banken, dass die Seeleute zum Essen kommen sollen. So entstand der Begriff Backbord, berichtete Gero Klemke.
Grünes Licht rechts
Die Steuerkette wiederum sollte so weit weg vom Kochfeuer sein, wie möglich, damit diese kein Feuer fängt. Der Steuermann stand deshalb rechts auf dem Schiff, nämlich auf der Steuerbord-Seite. Diese wird mit grünem Licht gekennzeichnet. So helfen auch heute die Tonnen mit ihrem Licht bei der Orientierung, genauso wie Richtfeuer.
Diese zeigen zwei senkrecht übereinanderstehende weiße Lichter. Fährt das Schiff im Winkel auf das Richtfeuer zu, scheinen die Lichter nicht mehr übereinander zu liegen, sondern ein wenig verschoben zu sein,sagte Gero Klemke. „Dann muss der Kapitän so lange die Richtung ändern, bis beide Lichter wieder übereinander sind. Dann ist er genau in der Mitte des Fahrwassers“, erklärte er seinem jungen Publikum.
