NORDENHAM - Ergiebigen Regen wünschen sich angesichts anhaltender Trockenheit Bauern überall im Lande. In der nördlichen Wesermarsch hat es seit Anfang März kaum geregnet. Vereinzelte starke Niederschläge wie in der Nacht zum Mittwoch bringen kaum Besserung. „Es fängt jetzt auch hier an, ein bisschen kribbelig zu werden, weil das Wasser langsam knapp wird“, sagt Peter Beerepoot, einer der beiden Vorsitzenden des Ortslandvolkvereins Abbehausen.
„Der Boden hat im April Risse bekommen, das habe ich so extrem noch nicht gesehen“, berichtet der 50-Jährige, der seit 1983 einen landwirtschaftlichen Betrieb in Esenshammergroden führt – mit zurzeit 100 Milchkühen plus Nachzucht und 60 bis 70 Mutterschafen plus Lämmer.
570 Milchviehhalter
Peter Beerepoot ist einer von knapp 570 Milchviehhaltern im Landkreis Wesermarsch. Etwa 47 000 Kühe gibt es hier. 86 Prozent der insgesamt etwa 58 000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzflächen werden nach Angaben des Kreislandvolkverbandes als Grünland genutzt für Milchviehhaltung und Rindermast. Auf den Ackerflächen werden überwiegend Mais und Weizen angebaut.
„Grundsätzlich haben wir Milchbauern in der Marsch ganz selten Probleme mit Trockenheit, eher schon mit Nässe“, sagt Peter Beerepoot. Im Gegensatz zu sandigen Böden in der Geest gebe es hier wesentlich tonhaltigere Böden, die das Wasser stärker festhalten. Peter Beerepoot verweist auf diesen Spruch: „Die Sonne scheint keine Armut in die Marsch.“
Die Tiere finden seinen Angaben zufolge auf den Weideflächen auch jetzt noch ausreichend Gras. Problematisch geworden ist aber das Graswachstum auf den Flächen, die für den Futterbedarf in den Wintermonaten abgeerntet werden sollen.
Auf diesen für Grassilage vorgesehenen Flächen bereitet der unterschiedliche Bewuchs Probleme. Einige Grasarten leiden unter der Trockenheit und bleiben zurück; andere sind tief verwurzelt und finden noch Wasser; wieder andere gehen vorzeitig in die Blüte. Die bereits in Blüte gehenden Grasarten sind jetzt zwar erntefertig, aber noch nicht richtig ausgebildet. Man spricht daher auch von Notreife.
Wenn die Landwirte abwarten, bis die Blüte beendet ist, kann nur noch minderwertiges Futter, das für Milchviehfütterung ungeeignet ist, gewonnen werden.
Die Frage nach dem günstigsten Zeitpunkt für die Silage stellt sich also – und wird von den Betriebsleitern individuell beantwortet. Peter Beerepoot hat sich dafür entschieden, nicht weiter auf Regen zu warten, sondern acht bis zehn Tage früher als üblich den ersten Grasschnitt dieses Jahres zu vollziehen.
50 Prozent weniger Masse
Dabei hat er bei sehr guter Qualität deutlich weniger Menge in Kauf genommen. Der Ertrag fällt für ihn in der Masse um etwa 50 Prozent geringer aus. Bei anderen Betrieben mit Neuansaaten kann das besser aussehen.
In der Regel erfolgt der erste von drei bis vier Schnitten eines Jahres in der ersten Maihälfte. Dieser erste ist stets der wichtigste Schnitt des ganzen Jahres. Denn etwa 50 Prozent des Winterfutterbedarfs sollen damit abgedeckt werden.
