NORDENHAM - Gestern fand eine Betriebsversammlung statt. Ver.di kritisiert, dass es kein Konzept für das weitere Vorgehen gibt.

NORDENHAM/FIL - Der Kahlschlag auf der Führungsebene der Wesermarsch-Klinik hat große Unruhe und Verunsicherung unter den Beschäftigten ausgelöst. Bei einer Betriebsversammlung unterzeichneten gestern viele Mitarbeiter eine Resolution, mit der sie ihr „Entsetzen über die Beschlüsse des Kreisausschusses und der Gesellschafterversammlung“ zum Ausdruck bringen. Nach Auffassung des Betriebsrates und der Gewerkschaft Ver.di gefährdet die Führungslosigkeit die Existenz des Krankenhauses, das sich mitten in einem Sanierungsprozess befindet.

Die Ver.di-Sekretärin Jannette Scheele kritisiert sowohl den Zeitpunkt als auch die Vorgehensweise bei der Entlassung des stellvertretenden Klinik-Geschäftsführers Rudi Schulenberg. Sie hält es für verantwortungslos, dass derartige Entscheidungen getroffen werden, ohne ein Konzept für die weitere Vorgehensweise zu haben. Dass es ein solches Konzept zurzeit nicht gibt, hat Aufsichtsratsvorsitzender Ernst Tannen während der Betriebsversammlung bestätigt.

Äußerst dürftig ist nach Scheeles Ansicht die Begründung für Schulenbergs Beurlaubung. Der Hinweis auf ein „gestörtes Vertrauensverhältnis“ zu den leitenden Ärzten sei nicht ausreichend. Sie fordert, dass der Landkreis als Verursacher der Misere auch die Folgekosten aufbringen muss, die unter anderem durch Abfindungszahlungen entstehen. Der Klinik dürften diese Ausgaben jedenfalls nicht aufgebürdet werden.

Betriebsratsvorsitzender Wilfried Scherer hält die Art und Weise, wie mit dem stellvertretenden Geschäftsführer umgegangen wird, für „menschlich absolut daneben“. Da frage sich so mancher Mitarbeiter, ob er eines Tages vor eine ähnliche Situation gestellt werde. Betriebsratsmitglied Ralf Feierabend spricht von einem „Machtkampf, der auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird“.


Scherer und Feierabend verweisen auf die Gehaltskürzungen von 8,5 Prozent, zu denen sich die Mitarbeiter zur Sicherung des Klinik-Standortes bereit erklärt haben. Die nun vollzogenen Beschlüsse des Kreisausschusses würden die Bemühungen ad absurdum führen. Verständnis zeigen sie für die Entscheidung des Klinik-Geschäftsführers Rudolf Mintrop, den Hut zu nehmen. Ihm sei die Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit weggerissen worden. Betriebsrat und Ver.di fordern, dass die Führungslosigkeit schnellstmöglich beendet und ein kompetenter Geschäftsführer eingestellt wird.