NORDENHAM - Tomaten: plus 52 Prozent. Paprika: plus 41 Prozent. Kartoffeln und Zwiebeln: plus 27 Prozent. Was schmeckt und gesund ist, wird dramatisch teurer. Das trifft vor allem die, die wenig Geld haben. Und es trifft alle 800 Tafeln in Deutschland auch die in Nordenham.
Viel weniger zu essen
Konnten die Mitarbeiter der Tafel bis vor wenigen Wochen noch rund 4 Tonnen Lebensmittel pro Woche an die Bedürftigen ausgeben, so sind es jetzt nur noch etwa 2,5 Tonnen. Weil gleichzeitig der Kreis der Bedürftigen immer größer wird mittlerweile haben 1500 der gut 90 000 Einwohner der Wesermarsch einen Tafel-Ausweis , hat sich die Menge an Lebensmitteln, die an jeden Empfänger abgegeben wird, seit Gründung der Tafel im Mai 2005 auf ein Viertel reduziert, sagt Dorette Wittje.
Dorette Wittje ist gelernte Einzelhandelskauffrau im Lebensmittelbereich und trägt die Verantwortung, dass die Nordenhamer Tafel und ihre Außenstellen in Burhave, Rodenkirchen und Brake ausschließlich einwandfreie Nahrungsmittel ausgeben. Sie wird bei ihrer Arbeit von 10 Ein-Euro-Kräften und von 40 Ehrenamtlichen unterstützt.
Während das Angebot der Tafel bei Obst und Gemüse nicht so sehr zurückgegangen ist, wird es immer schwieriger, Aufschnitt, Milchprodukte einschließlich Joghurt und Käse, Fleisch und besondere Sachen wie Kaffee anzubieten, sagt Dorette Wittje. Heute ist sie froh, wenn sie für mehrere 100 Bedürftige 20 Joghurts hat.
Die Tafel bekommt die Lebensmittel, die sie an Hartz-IV-Empfänger weitergibt, von insgesamt etwa 40 Geschäften in der Wesermarsch. Darunter sind 6 oder 7 größere Märkte wie das E-Center oder Kaufland und viele kleinere wie etwa Bäckereien. Diese Unternehmen müssen auch rechnen, sagt Fred Memenga, der Vorsitzende der Nordenhamer Tafel. Deshalb geben sie die Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf der Haltbarkeit stehen, nicht mehr so großzügig an die Tafel weiter, sondern verkaufen sie zum deutlich vergünstigten Preis.
Nach Hause geschickt
Deshalb sind der 2,8-Tonner und der Kleinwagen mit Anhänger, mit dem die Tafel die Lebensmittel transportiert, oft nur noch halb voll. Und das hat zur Folge, dass immer wieder Bedürftige ohne Lebensmittel nach Hause geschickt werden müssen. Das hatte es bei der Tafel bisher noch nie gegeben. Das einzige, was die Mitarbeiter tun können, ist dafür zu sorgen, dass es nicht immer dieselben trifft.
Doch das ändert am grundsätzlichen Problem natürlich nichts. Deshalb bitten wir alle regelmäßigen Spender, jetzt nicht nachzulassen in ihrer Spendenbereitschaft, sagt Maria Groß-Bölting, die Leiterin des Arbeitslosenzentrums. Fred Memenga ergänzt: Die Tafel lebt nur von Spenden, sie ist ein ständiges Projekt. Deshalb können die ausgefallenen Spenden der Supermärkte nur durch noch mehr Spenden von Vereinen, Firmen und Bürgern ausgeglichen werden. So hofft Dorette Wittje, dass Privatleute beim Einkaufen auch an die Tafel denken und etwas für sie mitkaufen.
Der Hartz-IV-Satz für Nahrungsmittel in Höhe von 128,46 Euro für allein lebende Erwachsene wird jetzt noch weniger als bisher schon ausreichen, sagt Maria Groß-Bölting, denn: Die Krankheitskosten fressen die Leute auf. Für Gesundheitspflege sieht der Regelsatz 6,09 Euro vor. Das reicht angesichts vieler Zuzahlungen bei weitem nicht aus, und deshalb muss der Nahrungsmittel-Satz auch für Gesundheitskosten herhalten.
Dennoch lässt sich Fred Memenga seinen Optimismus nicht nehmen: Es wird weitergehen.
