NORDENHAM - Fotografieren? Nicht in der neuen Fertigungshalle von NSW! Zu überschaubar ist der Markt, zu neugierig die Konkurrenz. Da sagen die Norddeutschen Seekabelwerke lieber nicht ganz genau, was ihre neue Fabrik für Energieseekabel alles kann. Seit Mitte Februar wird hier gearbeitet.
Nicht mehr am Rand
Als erstes ist die Verseilmaschine in Betrieb gegangen. Solche Aggregate hat NSW seit seiner Gründung 1899 im Einsatz, aber diese hier ist die größte der Welt, sagt Jörn Wieland. In 20 Monaten hat der Projektleiter Energieseekabelfertigung zusammen mit seinem Team die neue Fertigungshalle geplant und ihren Bau begleitet. Dabei haben sie sowohl den Zeit- als auch den Kostenplan eingehalten.
Gut 40 Millionen Euro kostet die neue Fertigungshalle. Zusammen mit der neuen Barge – das ist eine schwimmende Arbeitsplattform, von der aus die Energieseekabel verlegt werden sollen – hat das Unternehmen gut 50 Millionen Euro investiert. „Das ist die größte Investition, die NSW je getätigt hat“, sagt Dr. Valentin Jug, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Als die Investition beschlossen wurde, machte sie die Hälfte des Jahresumsatzes aus. Wenn die Fertigung ihre volle Kapazität erreicht hat, wird sich der Jahresumsatz auf mehr als 200 Millionen Euro verdoppeln.
Für die NSW-Muttergesellschaft General Cable ist die neue Halle – abgesehen von Firmenkäufen – ebenfalls die größte Investition in der Firmengeschichte. Auch das zeigt, welch ein Glücksfall die neue Mutter für NSW ist. „108 Jahre waren wir im Randbereich unserer jeweiligen Muttergesellschaften“, sagt Valentin Jug, „jetzt sind wir erstmals im Kerngeschäft.“
Erstaunlich ist die Investition auch, weil es in den USA – wo General Cable seinen Sitz hat – keine einzige Energieseekabelfabrik gibt. „General Cable wollte auf unser Know-How aufbauen“, erläutert Jug.
Fertigen kann NSW in der Halle Energieseekabel in großen Längen und Gewichten und mit einem Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern. Strom mit einer Spannung bis zu 150 Kilovolt kann durchgeleitet werden. Die Kabel werden in Offshore-Windparks eingesetzt, wie sie in der Nordsee, der Ostsee und der Irischen See entstehen. In der weiteren Zukunft sieht NSW seine Kunden in ganz Europa, dem Nahen Osten, Amerika und Afrika.
NSW wird vor allem für kleinere und mittlere Projekte liefern, die beiden Wettbewerber Nexans (Norwegen) und Prysmian (Italien) für größere. Als dritter Wettbewerber in Europa stellt sich gerade der dänische Konzern nkt auf, der in Nordenham direkter Nachbar von NSW ist. Bis Ende 2010 will der Felten-Nachfolger am Rhein in Köln eine Energieseekabelfabrik in Betrieb nehmen.
Vier Aufträge
„Unsere neue Fertigungshalle ist bis weit in den Herbst hinein ausgelastet“, sagt Rudolf Stahl, der als Geschäftsführer für den Vertrieb zuständig ist. Vier feste Aufträge liegen vor: für die Offshore-Windparks Bard I und Alpha Ventus bei Borkum und Rødsand in der Ostsee sowie für die Stromleitung von St.-Peter-Ording bis Helgoland. Weitere Verkaufsgespräche laufen.
Als zusätzliches Zukunftsgeschäft nimmt NSW Kabel für Öl- und Gasbohrplattformen ins Visier, sagt Rudolf Stahl weiter. Öl und Gas werde 2015 voraussichtlich zu 25 Prozent auf See oder am Nordpol gefördert, ergänzt der Marketingleiter Thomas Miotk; derzeit seien es 9 Prozent. Ein erster Auftrag für ein 1,7 Kilometer langes Kabel für das Emirat Katar ist eingegangen. Bericht unten
