NORDENHAM - Was bisher Tatverdächtigen vorbehalten war, die erkennungsdienstlich behandelt werden, können jetzt auch völlig unbescholtene Bürger erleben, wenn sie einen neuen Reisepass beantragen: Sie müssen ihren Fingerabdruck hinterlassen. Das gilt seit dem 1. November. Es handelt sich aber um eine vollkommen saubere Sache: Die winzigen Rillen in der Haut werden von einem kleinen schwarzen Gerät gescannt.

Es muss also niemand befürchten, dass er seine Finger in blaue Farbe tunken muss, bloß weil er bei Kerstin Spielhagen im Einwohnermeldeamt des Rathauses einen neuen Reisepass beantragen will. Seit 21 Jahren ist sie auf diesem Posten tätig und findet die Angelegenheit, die in der bundespolitischen Diskussion so viel Staub aufgewirbelt hat, wenig aufregend: „Es hat sich doch ständig etwas geändert – gerade in den letzten Jahren.“

Eine wichtige Veränderung war beispielsweise vor zwei Jahren die Einführung des elektronischen Passes, des so genanten ePasses. Seitdem darf für das Passfoto nur noch eine Frontalaufnahme verwendet werden. Zudem werden alle Daten samt Foto maschinenlesbar in einem Chip gespeichert, der in den oberen Deckel des Passes eingearbeitet wird.

Im Hinblick auf die neueste Veränderung hat Kerstin Spielhagen in den vergangenen Wochen viele Antragsteller sogar gebeten, noch etwas zu warten, wenn es möglich wäre. Denn gerade wer in die Vereinigten Staaten einreisen wolle, habe mit dem neuen Pass eindeutig Vorteile.

Was sich nicht geändert hat, ist die Gebühr. Für Antragsteller bis 23 Jahre kostet der Reisepass 37,50 Euro, für alle anderen 59 Euro. Ob die Antragsteller länger auf ihren Pass warten müssen, kann Kerstin Spielhagen noch nicht absehen. „Wir haben noch keinen der neuen Pässe von der Bundesdruckerei in Berlin zurück bekommen“, sagt die Verwaltungsangestellte.


Wer jetzt also einen Reisepass beantragt, muss, wie bisher, den ausgefüllten Antrag samt aktuellem Pass zum Einscannen vorlegen. Zusätzlich muss der Antragssteller auch beide Zeigefinger in den neuen Scanner legen, den Kerstin Spielhagen auf ihrem Schreibtisch hat. Es dauert nur Sekunden, dann ist der San auf dem Bildschirm zu sehen. Steht der Zeigefinger nicht zu Verfügung, werden Daumen, Mittel- oder Ringfinger gescannt. Aus drei Scans pro Finger sucht sich der Computer den besten heraus.

Die Daten werden zur Bundesdruckerei geschickt und bleiben so lange auf der Festplatte des Einwohnermeldeamtes gespeichert, bis der fertige Pass aus Berlin zurückgekommen und von seinem Inhaber abgeholt worden ist. „Dann werden die Daten automatisch gelöscht“, sagt Kersin Spielhagen. „In der Bundesdruckerei werden sie sowieso nicht gespeichert.“