NORDENHAM - Für Neele Hinrichs und Sören Schau sollte es die schönste Zeit des Jahres werden. Acht Tage Türkei hatten sie gebucht. Traumstrand, wunderschönes Hotel – darauf freuten sich die 20-jährige Auszubildende zur Bankkauffrau und der 21-jährige Elektriker. Aber es kam alles ganz anders.
Zum ersten Mal hatte das Pärchen eine Reise im Internet gebucht. Der Kleopatra-Strand wurde als der schönste in Alanya angepriesen. Doch bevor sie dort ankamen, erlebten Neele Hinrichs und Sören Schau eine Odyssee.
Am 9. Juli sollte das Flugzeug um 6.25 Uhr starten. Dass sich die Abflugzeit mehrfach änderte und sie erst gegen 22 Uhr losfliegen konnten, dafür hatten die beiden noch Verständnis. Für alles, was danach passierte, allerdings nicht mehr. Der erste Schock: Als die beiden gegen 2.15 Uhr in Antalya landeten, habe sich niemand vom Reiseveranstalter Bentour blicken lassen, berichten sie. Schließlich fanden sie einen Platz in einem anderen Bus und bezahlten 40 Euro, um in den 150 Kilometer entfernten Urlaubsort zu kommen.
„Wir haben uns schon auf unser Bett gefreut“, erinnert sich die 20-Jährige. Doch als sie im gebuchten Hotel ankamen, der nächste Schock: „An der Rezeption bekamen wir die Auskunft, dass Bentour nicht bezahlt hat.“ Neele Hinrichs versuchte, Kontakt zum Reiseveranstalter in Deutschland herzustellen – ohne Erfolg. Gegen 10 Uhr sei der Reiseleiter gekommen. Er wolle sie in ein schöneres Hotel bringen: Mit dieser Auskunft habe er sich die Koffer der beiden geschnappt, und dann ging’s im Privatwagen acht Kilometer vom gebuchten Urlaubsort entfernt in ein anderes Hotel.
„Der Reiseleiter setzte uns vor dem Hotel ab und verschwand wieder“, berichtet die 20-Jährige. Ein Zimmer hatten die Nordenhamer aber noch lange nicht. „Wir wurden vom Personal vertröstet.“ Nach mehreren Stunden seien die beiden erneut vom Reiseleiter abgeholt worden. Die Odyssee ging weiter. Diesmal landeten sie – inzwischen völlig erschöpft – 20 Kilometer von Alanya entfernt. „Das Hotel lag direkt an der Autobahn. Überall Baustellen. Der Strand verdreckt mit Plastikbechern, Farbeimern und Zigarettenkippen.“ Ihr Reiseleiter sei anschließend nicht mehr ans Telefon gegangen, berichten die beiden. Bei Bentour in Deutschland hätten sie die Auskunft bekommen, dass man nichts mehr für sie tun könne. Schließlich trafen die Nordenhamer auf zwei andere Urlauber, die ebenfalls bei Bentour gebucht und ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. In ihrer Verzweiflung baten sie einen privaten Fernsehsender aus Deutschland um Hilfe.
Am 12. Juli kam ein Team des Senders und recherchierte. Die Fernsehleute erreichten, dass die Nordenhamer und mit ihnen weitere Bentour-Urlauber in ein Hotel am Kleopatra-Strand umziehen konnten. Allerdings waren die Urlaubstage für das Pärchen zu diesem Zeitpunkt fast schon gezählt.
Neele Hinrichs und Sören Schau wollen das Geld, das sie für ihren Urlaub bezahlt haben, nun zurückverlangen. Die beiden berichten, dass sich ein Vertreter von Bentour entschuldigt habe. Als Entschädigung seien ihnen pro Person ein 50-Euro-Gutschein des Veranstalters und weitere 70 Euro angeboten worden. Damit wollen sich Neele Hinrichs und Sören Schau aber nicht abspeisen lassen. Und übers Internet wollen sie nicht noch einmal buchen. „Das war das erste und das letzte Mal“, sagt Neele Hinrichs.
Bentour wollte am Montag noch keine Stellungnahme abgeben. „Hierzu warten wir auf Belege aus Antalya, die im Widerspruch zu dem zu stehen scheinen, was die beiden jungen Menschen erzählt haben“, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit.
