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Sammler Große Leidenschaft für kleine Marken

NORDENHAM - Peter Hockemeyer war zehn Jahre alt, als er vom Taschengeld seine erste Briefmarke kaufte. Das war 1947, und er lebte mit seiner Familie in einer Flüchtlings-Baracke in Meersburg am Bodensee. Genau genommen waren es vier Briefmarken, die Hockemeyer kaufte: der Satz „100 Jahre Schweizer Eisenbahnen“. Dieser Kauf war der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Doch jetzt muss sich der 73-Jährige von seinen Briefmarken trennen – eine schwere Krankheit zwingt ihn dazu.

Peter Hockemeyer wurde als Sohn eines Apothekers im thüringischen Eisenach geboren. 1945 floh die sechsköpfige Familie in den Westen. Zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Trutz begann Peter Hockemeyer Briefmarken zu sammeln – eine Konstante in einem zunächst unsteten Leben.

Denn Vater Hockemeyer zog oft um, und Peter sah viele Schulen und Internate. Ab 1955 besuchte er das Jade-Gymnasium in Jaderberg. Von dort aus ging es weiter nach Wangerooge.

Der Gotthard-Schnellzug

Die Orte wechselten, die Briefmarken blieben. „Ich bin Motivsammler“, sagt Peter Hockemeyer, der seinen Ruhestand in Bad Zwischenahn verbringt. So baute er verschiedene Sammlungen auf. Zunächst sammelte er Deutschland und Schweiz, weil die Schweiz vom Bodensee aus ganz nah war. Seine erste Lieblingsmarke zeigte den elektrischen Gotthard-Schnellzug und kostete 20 Rappen.

Nach der Schule schlug Peter Hockemeyer die Justiz-Laufbahn ein. 1965 kam er zum Amtsgericht Nordenham, wo er bis zu seiner Pensionierung 1999 tätig war – immer in der Grundbuch-Abteilung. Schon seit den 50er Jahren sammelte er Gemälde auf Briefmarken. Diese Sammlungen bereitete der Nordenhamer so auf, dass er sie öffentlich zeigen konnte. 1976 wurde er Vorsitzender des Vereins für Briefmarken- und Münzkunde Nordenham.


Im Jahr 1983 bekam Peter Hockemeyers Sammelleidenschaft eine neue Richtung: Der Philatelist wurde Mitglied er Motivgruppe Rotes Kreuz. Er war wegen seines Interesses für Schweizer Briefmarken darauf gestoßen: Henri Dunant (1828 bis 1910), der Gründer des Roten Kreuzes, war Schweizer.

Hockemeyer baute die Sammlungen „Das Internationale Rote Kreuz im Zeichen der Humanität“ auf, zu der Teile wie „Grundsätze des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes“ und „Die Schweiz – Ein Zentrum der Humanität“ gehören. Dazu vertiefte er sich auch in die Geschichte und Vorgeschichte des Roten Kreuzes und besuchte Schauplätze wie den Ort der Schlacht bei Solferino 1859, die Dunant den Anstoß zur Gründung des Roten Kreuzes gab.

Aus Auktionskatalogen und durch Kontakte mit anderen Sammlern beschaffte sich Peter Hockemeyer attraktive Exemplare: etwa den Umschlag des Briefes, den Henri Dunant am 29. Dezember 1907 an die Präsidentin des Roten Kreuzes der USA, Carla Barton, gesandt hatte. Dazu kommen ein Briefumschlag von 1806 und ein Dokument von 1813, die das Transport Office, der Vorgänger des Roten Kreuzes in Großbritannien, verschickt hatte, sowie der älteste bekannte Beleg des Peruanischen Roten Kreuzes.

Mit Seiters gesprochen

So sind 84 Blätter entstanden, die Peter Hockemeyer in sieben Rahmen präsentiert. Die größte internationale Anerkennung fand er dafür 1999 bei der IBRA in Nürnberg, die größte nationale Anerkennung bei der Naposta 2009 in Essen. Besonders stolz ist Peter Hockemeyer darauf, dass er Teile der Sammlung bei der 75-Jahr-Feier des DRK-Kreisverbandes Wesermarsch im September 2008 in der Friedeburg und beim Internationalen Erste-Hilfe-Wettbewerb FACE im Juli 2009 in der Oldenburger Weser-Ems-Halle zeigen durfte. In Oldenburg fuhr er mit der Kutsche durch die Stadt, ehe er mit dem DRK-Präsidenten Rudolf Seiters sprechen durfte.

Doch jetzt, nach 64 Jahren, muss Peter Hockemeyer Abschied von seiner großen Leidenschaft nehmen. Er wird seine Sammlung versteigern.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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