NORDENHAM - Wenn sich statt leckerem Käse wieder einmal zäher Schinken auf dem Pausenbrot befindet, kann es schon vorkommen, dass ein Schüler seine Stulle im nächsten Gebüsch verschwinden lässt. Damit hat er zwar sein Entsorgungsproblem gelöst, aber gleichzeitig ein neues Problem geschaffen. Denn das weggeworfene Schinkenbrot ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein gefundenes Fressen für Ratten. Vor anderthalb Jahren hatte besonders im Umfeld von Schulen das Vorkommen der struppigen Nager derart zugenommen, dass die Stadt Nordenham eine neue Bekämpfungstaktik mit Köderboxen einsetzte. Dieses Vorgehen hat sich bewährt und in den meisten Stadtteilen für eine Dezimierung der Ratten gesorgt. Doch beendet ist der Kampf noch lange nicht.
„Wir haben das Rattenproblem zwar relativ gut im Griff“, sagt Horst Wilkens, „aber man muss immer wachsam bleiben.“ Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) nimmt regelmäßig Überprüfungen vor und teilt den Nagerbefall in die Bewertungsstufen „rattenarm“ und „gesundheitsgefährdend“ ein. Die Stadt Nordenham ist laut Horst Wilkens „genau dazwischen“ eingeordnet. Der Mitarbeiter des Baumanagement-Amtes hat als Kanalnetz-Experte viel Erfahrung mit der Rattenbekämpfung. Er weiß, dass sich die Tiere rasant vermehren, wenn ihnen nicht konsequent mit Gift zu Leibe gerückt wird.
Verstärkte Aufklärung
Trotz der „leichten Verbesserung“ in der Rattenbilanz ist Horst Wilkens mit der Situation nicht ganz zufrieden. Die verstärkte Aufklärung der Bevölkerung und die gehäuften Einsätze der Schädlingsjäger haben zwar in früheren Problembereichen für einen spürbaren Rückgang des Rattenbefalls gesorgt. Aber auf der anderen Seite gibt es laut Horst Wilkens nach wie vor Orte im Stadtgebiet, an denen sich auffällig viele Nager tummeln.
Als „Brennpunkt“ bezeichnet er die Innenstadt. Dass Ratten dort in großer Zahl auftreten, liegt nach Angaben des Stadtmitarbeiters vor allem an dem maroden Kanalisationsnetz. Die alten Beton- und Steinzeugrohre sind teilweise versackt und beschädigt, so dass Ratten mühelos Ein- und Ausgänge finden können. Und weil es immer noch viele Menschen gibt, die Essensreste über die Toilette entsorgen, finden die Allesfresser in dem unterirdischen Labyrinth reichlich Nahrung.
Zweimal im Jahr heuert die Stadt eine Spezialfirma an, die das Abwassernetz mit Giftködern belegt. Zudem sind rund 120 Giftboxen oberirdisch im gesamten Stadtgebiet verteilt. Die braunen Kisten mit gelbem Warnaufkleber werden regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf immer wieder mit neuen Giftportionen bestückt. Seitdem diese mit einem Schloss gesicherten Boxen, die unter anderem an Wasserläufen, in der Nähe von Schulen und in Grünanlagen mit dichtem Bodendeckerbewuchs aufgestellt werden, im Einsatz sind, hat es laut Horst Wilkens deutlich weniger Hinweise auf Ratten gegeben.
Vorsorge betreiben
30 000 Euro investiert die Stadt jedes Jahr in die Rattenbekämpfung. Mit dieser Arbeit ist ein Unternehmen aus Hamburg beauftragt. „Ganz rattenfrei kriegt man die Stadt nicht“, weiß Horst Wilkens. Er ruft die Bürger auf, Vorsorge zu betreiben. Dazu gehört, keine Essensreste in das Klo zu kippen, die Grundstücke sauber zu halten, bei der Kleintierhaltung kein Futter offen aufzubewahren und Bodendecker nicht zu hoch wachsen zu lassen. Wenn es ums Fressen geht, sind die Nager kaum aufzuhalten. Sie können ihre Schultern aushaken und gelangen somit auch durch enge Öffnungen. „Ratten können sich durch den Hals einer Cola-Flasche zwängen“, sagt Horst Wilkens.
Hinweise unter Telefon 84280
