NORDENHAM - Besser könnte die Terminplanung für den Ruhestand gar nicht sein: Genau an dem Tag, an dem die Norddeutschen Seekabelwerke (NSW) ihre neue Energiekabelfabrik einweihen, nimmt Geschäftsführer Dr. Valentin Jug seinen Abschied. „Etwas Schöneres gibt es nicht“, sagt der 66-Jährige, dessen Markenzeichen das weiße Hemd und die dunkle Fliege sind. Vor rund 800 Gästen – darunter Ministerpräsident Christian Wulff – hat Valentin Jug an diesem Mittwoch seinen letzten offiziellen Auftritt als NSW-Chef.

Zehn Jahre lang hat der gebürtige Bozener bei dem Nordenhamer Traditionsunternehmen als Sprecher der Geschäftsführung die Fäden gezogen. Im März 1999 war er nach einer Reihe beruflicher Stationen im Siemens-Konzern in die Unterweserstadt gekommen. Diesen Schritt hat der Diplom-Volkswirt nie bereut: „Mein faszinierendster Arbeitsplatz war bei NSW“, sagt er.

Wahlheimat Iserlohn

Und auch die Stadt Nordenham gefällt ihm. Neben dem landschaftlichen Kontrast zu seiner alpenländischen Heimat haben die „äußerst freundliche Aufnahme und die netten Menschen“ ihn begeistert. Für Valentin Jug war es daher durchaus vorstellbar, ganz nach Nordenham zu ziehen und hier auch den Ruhestand zu verbringen. Aber seine Frau möchte die gemeinsame Wahlheimat Iserlohn nicht verlassen. „Ich werde Nordenham auf jeden Fall in guter Erinnerung behalten“, betont der scheidende NSW-Geschäftsführer.

Valentin Jug wuchs in seiner Geburtsstadt Bozen als deutschsprachiger Italiener auf und machte dort sein Abitur. Anschließend war er ein Jahr bei der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) tätig, bevor er Volkswirtschaft in Frankfurt und Innsbruck studierte. Nach seinem 15-monatigen Wehrdienst in der italienischen Armee trat Valentin Jug eine Stelle bei Siemens in München an. Er war zunächst für die kaufmännische Betreuung der Beteiligungsgesellschaften zuständig. Bei jeweils mehrwöchigen Aufenthalten an verschiedenen Siemens-Standorten stattete er 1972 für anderthalb Monate auch NSW einen ersten Besuch ab.


Es folgten acht Jahre in Südafrika, wo Valentin Jug in Kapstadt und Pretoria für Siemens tätig war. „Ich habe lange überlegt, ob ich da bleiben sollte“, blickt der 66-Jährige auf die „sehr schöne Zeit“ zurück. Letztlich entschied er sich zur Rückkehr nach Deutschland. 1984 übernahm Valentin Jug im westfälischen Hagen die Leitung der Siemens-Tochter RXS. Damals gehörte auch NSW zum Siemens-Konzern. Angesichts dieser Verflechtung folgte Valentin Jug 1999 dem Ruf nach Nordenham, wo er als Nachfolger von Folkert von Lindern in die NSW-Geschäftsführung einzog.

Toller Start mit Arcos

Mit der Entwicklung des Unternehms in den zehn Jahren unter seiner Regie ist Valentin Jug zufrieden. Nach dem tollen Start mit dem Karibik-Projekt Arcos folgte Ende 2001 zwar eine tiefe Rezession, die NSW bis 2006 zu schaffen machte und einen Abbau von Arbeitsplätzen mit sich brachte. Aber inzwischen befindet sich das Unternehmen wieder im Aufwind. Nach dem zwischenzeitlichen Tief mit 360 Beschäftigten ist die Stammbelegschaft jetzt wieder auf 570 Mitarbeiter angestiegen.

Als „Glücksfall für NSW“ bezeichnet er die im April 2007 erfolgte Übernahme der Firma durch das US-Unternehmen General Cable. Zuvor hatte NSW sieben Jahre zum ebenfalls amerikanischen Corning-Konzern gehört. „Bei Siemens und Corning waren wir nur Satelliten der Satelliten“, sagt Valentin Jug, „bei General Cable gehören wir zum Kerngeschäft.“ Das spiegelt sich in den Investition wider, mit denen General Cable den Standort ausbaut. Dazu zählt vor allem der Bau der Energieseekabelfabrik für 44 Millionen Euro.

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