Nordenham - Dieses 1897 errichtete Gebäude Bahnhofstraße 14 war einst das Weser-Kaufhaus. Heute befindet sich hier das letzte inhabergeführte Schuhfachgeschäft Nordenhams. Möglichst bald soll jetzt die ursprüngliche Kleinteiligkeit der Gründerzeit-Fassade an der Bahnhofstraße weitgehend wieder hergestellt werden. Die Stadt hat einen Sonderzuschuss in Aussicht gestellt.

800 000 Euro

Eigentümer Jörg Fasting aus Brake möchte 800 000 Euro investieren. Wann das Vorhaben realisiert wird, steht jedoch noch nicht fest. „Wir sind noch in der Findungsphase“, so Jörg Fasting auf Nachfrage der NWZ.

Der Eigentümer des Hauses und Betreiber des Schuhfachgeschäftes steht mit einem Ladenbauer und mit der Nordenhamer Architektin Christine Allmers im Gespräch. Die Architektin hat bereits beim Hotel Küste und beim ehemaligen Café Victoria Erfahrungen in der Sanierung historischer Gebäude gesammelt.

Baudezernentin Ellen Köncke bestätigt, dass eine Förderung aus dem Sanierungsprogramm City Süd, das am 30. Juni dieses Jahres endet, nicht möglich ist. Die Stadt habe aber eine außerordentliche finanzielle Förderung für das Projekt in Aussicht gestellt.


Für die Stadt zählen für die Gewährung eines Zuschusses diese Gründe: Es handelt sich um ein stadtbildprägendes Gründerzeitgebäude. Es gehört zu den eindrucksvollsten Wohn- und Geschäftshäusern aus der Nordenhamer Blütezeit vor der Jahrhundertwende. Es besticht durch seinen originalen Erhaltungszustand in den oberen Geschossen.

Leider ist das Erdgeschoss in den 1960er Jahren erneuert worden. Dabei ist die ehemals fein strukturierte Fassade durch große Schaufensterbänder und ein Betonvordach ersetzt worden. Diese Fehlentwicklung soll nun korrigiert werden.

Mehr noch: Hier befindet sich heute das letzte inhabergeführte Schuhfachgeschäft der Stadt. Die Attraktivität der Bahnhofstraße insgesamt für den Einzelhandel in der Innenstadt kann mit einer Sanierung dieses Hauses in exponierter Lage gesteigert werden.

Betrieb läuft weiter

Jörg Fasting kann noch nicht sagen, ob die Sanierung in einem Zuge realisiert werden kann. Wichtig sei, dass in einem ersten Bauabschnitt die Fassade und der Ladenraum neu gestaltet werden. Währenddessen soll der Ladenbetrieb (mehr als 500 Quadratmeter Verkaufsfläche) weiterlaufen.

Vier Wohnungen

Im nächsten Schritt werde es darum gehen, vier Wohnungen im Haus zu modernisieren. Vorgesehen seien zwei Wohnungen mit jeweils 160 bis 165 Quadratmetern Wohnfläche und zwei mit jeweils etwa 70 Quadratmetern. Etwa 350 000 Euro des auf 800 000 Euro Gesamtkosten veranschlagten Projektes sollen in die Wohnungen investiert werden.

Jörg Fasting führt zurzeit in Nordenham ein zweites Schuhgeschäft: das Geschäft in der Friedrich-Ebert-Straße, das zuvor von dem 2013 verstorbenen Arne Buller langjährig geführt worden ist. Diesen zweiten Fasting-Standort in Nordenham gibt Jörg Fasting zum 30. Juni auf. Der Mietvertrag ist entsprechend gekündigt.

Jörg Fasting will sich in Nordenham ganz auf den in seinem Eigentum befindlichen Standort Bahnhofstraße 14 konzentrieren. Er begründet das so:

Vor etwa 15 Jahren sind 90 Prozent des Schuhgeschäftes über den Fachhandel gelaufen und nur jeweils 5 Prozent über den Internethandel und andere Kanäle (Discounter, Kaffeekonzerne oder auch Textilhändler).

Nur noch 50 Prozent

Inzwischen ist der Anteil des klassischen Fachhandels auf 50 Prozent geschrumpft. Der Onlinehandel hat einen Anteil von etwa 25 Prozent erobert. Tendenz: steigend. Somit ist in Deutschland jedes vierte Schuhgeschäft nicht mehr marktgerecht.

Dieser Marktdruck ist laut Jörg Fasting überall in Deutschland zu spüren.