NORDENHAM - „Eigentlich ist nur der Abriss sinnvoll“, sagt Kurt Winter über die Villa Eilers. Doch dazu wird es kaum kommen, denn das 1903 errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz. Deshalb wird es wohl weiter einem einst belebten Platz für Handel und Gewerbe am Rande der Fußgängerzone das Flair des Verfalls verleihen.
„Vandalismus ohne Ende“
Kurt Winter ist Diplom-Kaufmann aus Hamburg und seit 1990 Besitzer der Villa und des angebauten Flachdach-Supermarkts. Der 1979 errichtete 1200 Quadratmeter große Bau steht leer, seit netto ihn 2004 verließ, sagt Winter. „Rewe wollte einziehen, aber die örtlichen Banken waren trotz einer Landes-Förderung nicht bereit, die Investition zu finanzieren. Die Lösung ist an läppischen 100 000 Euro gescheitert.“
Spätestens mit der Eröffnung des Wesertors sei die letzte Möglichkeit zur Ansiedlung eines neuen Supermarktes vertan, glaubt der 58-Jährige. Auch für die Zukunft der Villa sieht er wenig Hoffnung: „Die Bank will zu viel Geld. Außerdem muss das Haus renoviert werden, denn da ist Vandalismus ohne Ende. “
Die Polizei bestätigt, dass Jugendliche in das riesige Gebäude eindringen und sich dort aufhalten. Im vergangenen Herbst hatte es auf dem Boden der Villa sogar gebrannt. Der Schaden blieb begrenzt, aber die Täter wurden nicht ermittelt. Ebenfalls ungeklärt ist der Brand im leer stehenden Imbiss, der früher die Garage der Villa war.
Nur ein paar Dohlen
Zwei Mal stand der Komplex zur Zwangsversteigerung, zwei Mal scheiterte sie. Es habe ein Angebot für 130 000 Euro gegeben, aber die Bank habe 165 000 gefordert, sagt Kurt Winter. Schon vor Jahren hat die Bank ihre Forderungen an die Ahrensburger Niederlassung der Registra Securita verkauft, die im Zwangsversteigerungsverfahren als Gläubigerin aufgetreten ist. Wie das Amtsgericht mitteilt, ist das Verfahren am 31. Oktober 2007 aufgegeben worden. Die Gläubigerin könne es aber erneut in Gang bringen.
Zu den Menschen, die der Verfall der alten Villa bedrückt, gehört Anke Sieghold, die in der Nachbarschaft einen Frisiersalon betreibt. 28 Jahre ist es her, dass sie sich in der Villa Eilers mit ihrem „Salon Weinstock“ selbstständig gemacht hat. 14 Jahre war sie hier ansässig; vorher war in dem Salon eine Gaststätte, nach ihr kam ein Cafè; seitdem sind die Räume unvermietet. Auch die Sprachambulanz und die Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt sind ausgezogen; die beiden Wohnungen stehen seit Jahren leer.
„Nur ein paar Dohlen wohnen noch ständig in der Villa“, sagt Anke Sieghold. Sie haben ihre Nester unter einem Loch in der Reihe der Dachpfannen eingerichtet.
Meldungen in der linken Spalte
Adolf Vinnen baut die Villa Eilers
