NORDENHAM - Der Andrang beim Informationsabend hielt sich in Grenzen. Heinz-Dieter de Groot wurde in interner Runde zum Vorsitzenden gewählt.
von norbert Hartfil
NORDENHAM - Die frühere Grünen-Ratsfrau Ursula Falkenburger machte keinen Hehl daraus, dass sie mit mehr Teilnehmern gerechnet hatte. Auch andere Anhänger der neuen Wählerinitiative Nordenham (WIN) zeigten sich mit dem Besucherinteresse am ersten öffentlichen Auftritt des Vereins nicht so recht zufrieden. Etwa zwei Dutzend Bürger – davon zehn WIN-Gründungsmitglieder – waren am Mittwochabend in das „Hotel zur Post“ gekommen, um die neue Gruppierung kennenzulernen, die im nächsten Jahr den Stadtrat aufmischen will.Das vorrangige Ziel der Wählerinitiative war an ihrem Gründungstag zügig abgesteckt: Sie will sich schnell bekannt machen und möglichst viele Bürger ansprechen. „Wir müssen auf die Leute zugehen“, betonte WIN-Mitbegründer Dr. Gernot Schenker. Den Bürgern solle deutlich gemacht werden, dass sie bei WIN willkommen seien und ihre Anliegen ernst genommen würden. Denn genau das sei in der derzeitigen Stadtratspolitik nicht der Fall.
Das ohnmächtige Gefühl, im Rathaus mit eigenen Ideen gegen eine Wand zu laufen, war für die WIN-Mitstreiter der Hauptantrieb, die Wählergemeinschaft ins Leben zu rufen. Die meisten von ihnen haben in den Agenda-Gruppen mitgewirkt und dabei vielfältige Ideen zur Stadtentwicklung erarbeitet. Aus der Enttäuschung heraus, dass Rat und Verwaltung die Agenda-Vorschläge in den Schubladen verschwinden ließen, wuchs die Bereitschaft zum politischen Engagement. „Wenn man etwas erreichen will“, sagte Schenker, „muss man in die Politik gehen – leider.“
Andererseits haben die Agenda-Aktivisten, so der WIN-Vorsitzende Heinz-Dieter de Groot, die Erfahrung gewonnen, dass bei den Bürgern in Nordenham ein „sehr großes Potenzial vorhanden ist“. Dieses Potenzial gelte es zu nutzen, um den Stillstand in der Stadtpolitik zu beenden und Nordenham nach vorne zu bringen. „Wir treten schon lange auf der Stelle“, ergänzte Beisitzer Jochen Dudeck, „und ich habe Angst, dass es nach der Wahl 2006 so bleibt.“ Um das zu verhindern, ist es ein vorrangiges Bestreben der WIN, eine absolute Mehrheit im künftigen Stadtrat nicht zustande kommen zu lassen. Zudem müsse wieder eine Kultur des Respektes und der Zusammenarbeit herrschen. Dazu will die Wählerinitiative mit „neutraler und kompetenter Sacharbeit“ beitragen, so der 2. Beisitzer Tim Lorenz.
Der WIN-Vorstand ist sich darüber im Klaren, dass vor dem Erfolg ein hartes Stück Arbeit steht. „Demokratie ist mühsam“, sagte Jochen Dudeck mit einem Bekenntnis zu großtmöglicher Transparenz gegenüber den Bürgern. Dass es damit aber nicht immer einfach ist, zeigte sich gleich zu Beginn des Informationsabends. Unverhohlen kritisierte Dieter Weitkamp, der als interessierter Besucher gekommen war, die Vorgehensweise bei der Vereinsgründung. Dass diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatte, sei nicht gerade ein Zeichen von Bürgernähe. Schenker und Dudeck rechtfertigten die nichtöffentliche Vorstandswahl und Satzungsverabschiedung als „Sicherheitsmaßnahme“. Schenker: „Wir wollten Querschüsse vermeiden, die eine Gründung des Vereins gefährdet hätten.“
• Zum WIN-Vorstand gehören Heinz-Dieter de Groot als 1. Vorsitzender, Claudia Berger-Jenkner als 2. Vorsitzende, Jörg Brunkhorst als Kassenwart, Jens Bußmann als Schriftführer sowie Christine Sassen-Schreiber, Jochen Dudeck und Tim Lorenz als Beisitzer (die NWZ berichtete gestern).
