NORDENHAM/TOSSENS - NORDENHAM/TOSSENS - Den Schluss-Strich unter das Tropenparc-Konkursverfahren hat gestern – nach bald zehn Jahren – das Amtsgericht Nordenham gezogen. Es war ein formaljuristischer Akt. Rein praktisch gesehen war das im Juli 1995 eröffnete Konkursverfahren bereits vor längerer Zeit an sein Ende gekommen.

Die Musik hatte im Zwangsverwaltungsverfahren gespielt. Und das ist – wie berichtet – im Dezember 2003 damit ausgeklungen, dass der Kurzurlaub-Anbieter Center Parcs den gesamten, etwa 1800 Betten zählenden Ferienpark gekauft hat (teil in der Zwangsversteigerung, teils durch Kauf direkt von den Gläubigerbanken).

Das Konkursverfahren war nur deshalb noch nicht eingestellt worden: Die damit verbundenen Chancen für einen freihändigen Verkauf sollten offen gehalten werden.

Mit der geglückten Zwangsversteigerung ist das wesentliche Vermögen der „Nordsee Tropen Parc GmbH & Co. Betriebgesellschaft KG“ (München) verwertet worden. Dabei handelt es sich um den Tropenparc-Zentralbereich mit Hotel, Badelandschaft, Gastronomie, Tennishalle und 112 Ferienhäusern.

• An verfügbarer freier Konkurs-Masse sind gestern lediglich verteilt worden: 28 000 Euro an die AOK (rückständige Versicherungsbeiträge) sowie etwa 130 000 Euro an das Finanzamt München, das damit etwa 50 Prozent seiner Steuerforderungen erfüllt bekommt. Die übrigen Gläubiger-Forderungen bleiben unerfüllt. In einer Gesamthöhe von einer runden Million Euro waren Forderungen angemeldet und anerkannt worden.


Die Gläubigerbanken müssen sich mit dem Geld begnügen, das sie aus der Zwangsversteigerung holen konnten.

• Die Verluste sind schmerzlich. Nach NWZ -Informationen ist der im Dezember 1992 eröffnete Zentralbereich für rund 56 Millionen Euro gebaut worden. Davon rund 22 Millionen Euro waren von rund 640 Kapitalanlegern investiert worden. Den großen Rest hatten die Banken finanziert – ebenso die rund 30 Millionen Euro, die der so genannte Tropenparc II (Ferienhausdorf mit Appartementhäusern) gekostet hat.

Initiiert (und offenbar mit großen Gewinn vermarktet) hatte die Immobilien Kaufmann Bernd Plückebaum aus Wallenhorst bei Osnabrück. Die 640 Kapitalangeber haben den Totalverlust ihrer Einlagen erlitten. Bluten mussten auch die Hochtief AG und die fünf Gläubigerbanken.

• Center Parcs hat den Zentralbereich am 16. Dezember 2003 für 5,422 Millionen Euro ersteigert. Im Zuge dieser Versteigerung hat Center Parcs von den Gläubigerbanken auch den Parc II erworben. Insgesamt 8,6 Millionen Euro gab Center Parcs für den Erwerb des gesamten Parks aus. Wohl gemerkt: Gebaut worden war alles zusammen für 87 Millionen Euro – ein drastischer Verfall des Vermögenswertes.

• Konkursverwalter Edgar Grönda aus Bremen (zurzeit ist er auch Insolvenzverwalter des Space-Center in Bremen) sagte gestern im Gespräch mit der NWZ zu den Gründen für das Desaster in Tossens: Man müsse von einem Bündel an Ursachen sprechen. So sei mehr Geld investiert worden, als ursprünglich geplant. Dabei seien offenbar die Kosten weggelaufen. Einiges könne auch an der Hotelgruppe „Treff“ festgemacht werden, die den Ferienpark von Dezember 1992 bis Oktober 1995 gemanagt bzw. gepachtet hatte. „Die haben den Park nicht gebraucht, sondern verbraucht.“ Lange Jahre sei es zudem sehr schwer gewesen, kostendeckend zu arbeiten. Auch hätten erhebliche Baumängel den Betrieb beeinträchtigt.

• Laut Konkursverwalter kann als sehr positiv gesehen werden, dass über die vielen Jahre trotz der großen Pleite die Lichter im Tropenparc nicht ausgegangen sind. „Darum haben sich alle bemüht und das hat für die Region etwas gebracht“, meint Grönda, der ebenso wie Zwangsverwalter und Banken gegen den Untergang gearbeitet hat.